4. Netzwerke aufbauen

Tipps rund um den Netzwerkaufbau und -ausbau für einen barrierefreien Tourismus.

Funktionen eines Netzwerks

Nicht alles auf dem Weg in Richtung barrierefreies Angebot schafft man allein. Oftmals benötigen Sie Partner, damit Sie den Gästen in Ihrem Ort und Ihrer Region ein barrierefreies Gesamterlebnis bieten können.
Dabei haben Netzwerke ganz unterschiedliche Funktionen:

  • Nur in Kooperation von touristischen Anbietern, öffentlichen Bauträgern, Verkehrsbetrieben und anderen kommunalen und regionalen Akteuren kann es gelingen, die Servicekette zu schließen.
  • Im Netzwerk können Sie sich mit Ihren Partnern austauschen, Informationen bündeln, Fehler vermeiden, die andere schon gemacht haben, und von guten Beispielen lernen.
  • Es gibt Situationen, in denen Sie Experten brauchen, die ihre Fachkompetenz einbringen und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen können.
  • Ganz wichtig sind dabei die sogenannten „Experten in eigener Sache“. Das sind Menschen, die aufgrund ihrer besonderen Anforderungen oder ihrer Behinderungen einen Blick für Barrieren haben und wichtige Hinweise zu ihrer Beseitigung bzw. Vermeidung geben können. Sie haben oft ein umfangreiches Wissen über die Barrierefreiheit Ihres Ortes und Ihrer Region und sind meist gerne bereit, bestehende Angebote zu testen und bei der Produktentwicklung behilflich zu sein.

Organisation von Netzwerken

Häufig geht das Engagement für ein „Netzwerk Barrierefreiheit“ von touristischen Organisationen aus. So werden z. B. im Lausitzer Seenland in der „Arbeitsgruppe barrierefreier Tourismus im Lausitzer Seenland“ zahlreiche Kompetenzen gebündelt. Ein Koordinator beruft die Gruppe ein und organisiert die unterschiedlichen Aufgaben. Die Mitglieder aus Tourismus, Verwaltung, Kommunen und Behindertenverbänden treffen sich regelmäßig, stoßen Entwicklungen an und werden als Beratungsgremium zu allen Projekten herangezogen, die im Lausitzer Seenland zur Entwicklung und Verbesserung der touristischen Qualität durchgeführt werden.

Die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe betreffen z. B.:

  • Schulung von Anbietern und Akteuren
  • Erfahrungsaustausch
  • Strategische Weiterentwicklung des barrierefreien Tourismus unter Einbindung kommunaler und regionaler Verantwortlicheraus Politik und Verwaltung
  • Barrierefreie Infrastrukturentwicklung im öffentlichen Raum
  • Marketing im barrierefreien Tourismus

Mögliche Partnerinnen und Partner für Ihr Netzwerk

Wenn Sie in der Kommune oder in der Region ein Netzwerk aufbauen wollen, finden Sie z. B. bei folgenden Institutionen interessante Partner:

  •  Behindertenbeauftragte der Landkreise sowie ggf. die Behindertenbeiräte in den Kommunen
  •  Ansprechpartner der Behinderten- und Selbsthilfeverbände in Ihrer Region
  •  Ansprechpartner der Kreisverbände des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg e. V.
  •  Ansprechpartner der Bauämter der Landkreise und kreisfreien Städte
  •  Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
  •  Verkehrsgesellschaften und Zweckverbände des ÖPNV in Ihrer Region
  •  Brandenburgische Architektenkammer

Ein regelmäßig tagender Arbeitskreis ist nicht zwingend nötig. Für die Produktentwicklung in der Region ist jedoch der Austausch mit unterschiedlichen Partnern eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg. Hierfür sind entsprechende Ressourcen in den Tourismusorganisationen notwendig, um beispielsweise zielführende Produktentwicklungsworkshops mit den Partnern durchzuführen. Neben der zentralen Koordinierung ist es wichtig, dass
die Aufgaben auch gemeinschaftlich verteilt und verbindlich bearbeitet werden.

Beispiel: Netzwerk Wissensvermittlung im Kulturbereich in Leichter und einfacher Sprache in Potsdam

Vertreter aus Museen, dem kommunalen Kulturbereich, Behindertenwerkstätten und „Experten in eigener Sache“ haben sich in Potsdam zur Bildung eines Netzwerks zusammengefunden. Bis 2020 sollen unterschiedliche Angebote in Leichter Sprache gebündelt und kommuniziert werden. So werden die teilnehmenden Museen die Angebote auf ihren Webseiten vorstellen. Unter Einbeziehung der PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH plant auch die Stadt Potsdam eine eigene Unterseite in Leichter Sprache auf ihrer Webseite einzurichten.

TIPP 1

Binden Sie unbedingt neben lokalen Tourismusakteuren auch Ihren regionalen Tourismusverband beim Aufbau Ihres Netzwerkes rechtzeitig ein. Die regionale DMO ist nicht nur Unterstützer bei der Bildung von Netzwerken, sondern auch als Botschafter der Marke Brandenburg zentraler Ansprechpartner. Nähere Infos hierzu im Leitfaden Zukunft des Destinationsmanagements im Land Brandenburg

TIPP 2

Auf der Landesebene steht Ihnen die TMB als Ansprechpartner für die Themen Barrierefreiheit und Markenführung zur Verfügung. Sowohl bei der TMB als auch bei den Reisegebieten gibt es sogenannte Markenmanager, die als Tandem eng zusammenarbeiten. Mehr Infos zur Marke unter: www.tourismusmarke-brandenburg.de