6. Angebote vermarkten

Bewerben Sie Ihr barrierefreies Reiseerlebnis emotional, ehrlich, einfach und klar.

Machen Sie Ihr Angebot bekannt!

Auch Gäste, die barrierefreie Angebote benötigen, wollen ihre schönste Zeit des Jahres an einem Ziel verbringen, für das sie sich emotional begeistern. Erst dann prüfen sie, ob das auch zu ihren Bedingungen möglich ist. Vorteilhaft ist deshalb, barrierefreie Angebote über das Reiseerlebnis selbst zu bewerben und die jeweiligen Motive in der Ansprache in den Vordergrund zu stellen.

Diese unterscheiden sich je nach Zielgruppe: Kultur erleben, Entspannen, Regionalität erleben, Natur beobachten etc. Auch deshalb, weil behinderte Menschen häufig von anderen begleitet werden, die selbst nicht auf Barrierefreiheit angewiesen sind. Für sie stehen das Reiseziel und spezifische Reiseerlebnisse als Buchungsmotive noch stärker im Vordergrund.

Darstellung barrierefreier Angebote

Barrierefreiheit ist kein primärer Reiseanlass. Brandenburg und seine Urlaubsthemen schon. Setzen Sie deshalb bei Gästen mit
barrierefreien Ansprüchen Ihre gesamte Erlebniswelt in Szene! Holen Sie Ihre Zielgruppen bei deren Reisemotiven ab und konzentrieren Sie sich beim Zusammenstellen barrierefreier Angebote auf Ihre bereits vorhandenen Stärken!
Ergänzt durch professionelle Fotos, Videos sowie eindeutige und verlässliche Informationen erhalten Ihre Gäste beides: eine emotionale Ansprache und präzise Hinweise über barrierefreie Services und Infrastrukturen. Für die Art der Kommunikation barrierefreier Angebote gilt: ehrlich, einfach und klar sollte sie sein.

Storytelling

Touristische Kommunikation beschränkt sich nicht auf Angaben zur Barrierefreiheit. Vielmehr sollten Sie Ihr Angebot auch authentisch und stimmig kommunizieren. Ein Werkzeug dazu ist das Storytelling, bei dem Sie Gästen Ihre Urlaubsregion über Geschichten emotional näherbringen. Dadurch geben Sie ihnen die Chance, sich mit dem Reiseziel zu identifizieren.

Erzählen Sie von landschaftlichen Besonderheiten oder historischen Ereignissen, schauen Sie stellvertretend für Ihre Gäste einem Koch über die Schulter, wenn er ein regionales Gericht zubereitet oder illustrieren Sie den Aufenthalt des Gastes wie in der Broschüre „Brandenburg für alle“ anhand exemplarischer Reisen! Wichtig bei der Umsetzung von Storytelling ist eine emotionale Ansprache mit starken Bildern, Videos und kurzweiligen Texten. Die Erzählformate und Themen sind für barrierefreie Reiseangebote ebenso vielfältig wie in der klassischen Kommunikation. Anders ist lediglich, dass Ihre Gäste zusätzliche spezifische Informationen benötigen, anhand der sie entscheiden können, ob das Angebot für sie ausreichend barrierefrei ist.

Wissen, wo man den Gast erreicht

Bevor ein Gast eine Reise bucht, kommt er an verschiedenen Punkten mit einem Angebot, einem Produkt oder einer  Dienstleistung in Berührung. Aber auch während seines Aufenthalts vor Ort benötigt der Gast Informationen und will inspiriert werden oder sucht konkrete Informationen. Dies geschieht über die einzelnen Touchpoints der sogenannten Customer Journey. Dazu zählen zunächst die direkten und beeinflussbaren Interaktionskanäle zwischen Anbieter und Gast – zum Beispiel die Plattform www.barrierefrei-brandenburg.de, aber auch Telefonate, Mailings oder Messen. Darüber hinaus existieren auch indirekte und oft nicht beeinflussbare Interaktionsmomente wie die Meinung Dritter auf Bewertungsportalen, in Blogs, Reiseberichten oder Userforen. Rollstuhlfahrer zum Beispiel sind oft sehr gut vernetzt und tauschen sich aktiv über  Reisebedingungen aus.

Um Angebote zielgerichtet vermarkten zu können, ist es also nicht nur wichtig, die Customer Journey, wo immer möglich, zielgerichtet und fokussiert auf die unterschiedlichen Zielgruppen zu bedienen. Es ist auch wichtig, über Pressearbeit Journalisten zu aktivieren, Social Media Kanäle zu bespielen oder zum Beispiel Kooperationen mit Bloggern zu testen.

Analoge & digitale Medien barrierefrei gestalten

Wenn Sie Reisenden mit Einschränkungen einen Mehrwert bieten wollen, dann stellen Sie neben den digitalen Informationen
ergänzend auch gedruckte Informationen
zur Verfügung. Denn vor allem ältere Gäste nutzen diese überdurchschnittlich häufig.
Diese sollten barrierefrei und für alle Gästegruppen leicht verständlich sein. Selbstverständlich sollte aber auch Ihr Internetauftritt barrierefrei gestaltet sein, denn dann können sich z. B. blinde Nutzer die Webseite von ihrem Smartphone oder einer digitalen Vorlesehilfe (ein sog. Screenreader) am PC vorlesen lassen.

Für die Gestaltung heißt das, dass Ihre Werbemittel, Beschilderungen und Internetseiten bequem zu lesen sind. Dies können Sie mit einem möglichst großen Schriftgrad und einer schnörkellosen Schriftart unterstützen. Besonders angenehm zu lesen sind kontrastreiche Schrift- und Hintergrundfarben wie Schwarz-Weiß oder Blau-Weiß. Vermeiden Sie hingegen kursive Schriften und Unterstreichungen!

TIPP: Hier sollten Sie dabei sein.

Die emotionale Ansprache der Gäste ist wichtig, aber viele Reisende mit besonderen Bedürfnissen fordern auch detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit. Für einen Rollstuhlfahrer können bei der Türbreite schon wenige Zentimeter darüber entscheiden, ob er Ihr Angebot nutzen kann oder nicht. Diese Informationen haben einen direkten Mehrwert. Anbieter sollten daher Informationen zur Barrierefreiheit transparent und über mehrere Kommunikationskanäle bereitstellen:

Die TMB bietet allen touristischen Partnern die Möglichkeit, ihre barrierefreien Angebote nach dem landesweit etablierten Informationssystem „Brandenburg für alle“ oder dem bundesweit einheitlichen Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ zu erheben und mit entsprechenden Piktogrammen darstellen zu lassen. Die Informationen können damit auf dem Special-Interest-Portal www.barrierefrei-brandenburg.de sowie in einer eigenen Broschüre dargestellt werden. Aktuell können Gäste aus mehr als 300 Übernachtungsangeboten, 440 Freizeitangeboten und rund 200 Gastronomiebetrieben ihren barrierefreien Aufenthalt in Brandenburg planen und zusammenstellen (Stand: Januar2019). Über individuelle Suchfilter wie z. B. Türbreiten, Vorhandensein von Haltegriffen, aber auch Regionen und Angebotstypen können sie ihre Suche zudem spezifizieren und nach ihren individuellen Bedürfnissen filtern.

  • Diese Informationen zur Barrierefreiheit werden gleichzeitig im landesweiten touristischen Informationssystem ausgespielt. Dazu gehören bspw. das Portal reiseland-brandenburg.de, die Brandenburg-App oder weitere, digitale Touchpoints in Tourist-Informationen oder in Hotels, die die zentrale Software MeinBrandenburg nutzen. Auch lokale, auf einen bestimmten Standort bezogene Informationen zur Barrierefreiheit können dargestellt werden.
  • Anbieter sollten zudem sicherstellen, die Informationen zur Barriefreiheit auch auf ihrer eigenen Website als Serviceinformation anzubieten.
  • Von Nutzern befüllte Datenbanken wie wheelmap.org (für Rollstuhlfahrer) oder auch große Plattformen wie Google stellen ebenfalls Daten zur Zugänglichkeit bereit und gewinnen an Bedeutung.

Beispiel: Broschüre Lausitzer Seenland

Das Lausitzer Seenland hat eine umfangreiche Broschüre mit barrierefreien Angeboten aufgelegt. Gäste finden auf 64 Seiten umfangreiche Informationen zu Freizeitangeboten, Beherbergungsbetrieben und Gastronomie. Alle vorgestellten Betriebe sind nach „Brandenburg für Alle“ erhoben worden.

Beispiel: Naturtherme Templin

Die NaturThermeTemplin ist nicht nur weitgehend barrierefrei, sie bietet ihren Gästen auch einen besonderen Service: Die Gäste finden an einem digitalen Touchpoint umfangreiche und aktuelle Informationen für ihren Aufenthalt in Templin und Umgebung. Die Frage, was man denn vor Ort so machen kann, wird zukünftig mit einer Menge Ausflugtipps digital beantwortet – je nach Standort, Tageszeit und geordnet nach individuellen Wünschen.

TIPP

Die Kommunikation ist immer entsprechend dem Informationsverhalten der Zielgruppe differenziert zu gestalten. Überlegen Sie, über welche Marketingkanäle Ihre Zielgruppen am besten zu erreichen sind. Wo lassen diese sich inspirieren, wo suchen sie konkrete Informationen zu Angeboten und zur Barrierefreiheit? Über welche Medien informiert sich diese Zielgruppe? Welche Quellmärkte sind relevant?