3. Regionalkonferenz (Cottbus)

Virtuell am 23.11.2021

Die Regionalkonferenzen stellten einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur LTK 2022+ und für die Beteiligung der Akteurinnen und Akteure vor Ort dar. Ziel der Diskussionen war es, zunächst ein gemeinsames Zielverständnis (Vision 2030) für die relevanten Zukunftsfelder zu entwickeln sowie Ideen, Hindernisse und regionale Besonderheiten auf dem Weg dorthin zu sammeln.

TERMINÜBERSICHT

Ort: pandemiebedingt virtuell

Termin: 23.11.2021

Teilnehmende: 66 Teilnehmende aus Unternehmen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft, Verbänden, Vereinen, Verwaltung (Kommunen, Landkreise, Land) und weiteren Organisationen und Einrichtungen

AGENDA

TOP 1 Auf dem Weg zur neuen Landestourismuskonzeption (LTK 2022+)
TOP 2 Schwerpunktsetzung innerhalb der Zukunftsfelder
TOP 3 Diskussion und Themensammlung zu ausgewählten Zukunftsfeldern

TOP 1

Zu Beginn der Veranstaltung stellten Dr. Mathias Feige (dwif) und Dr. Andreas Zimmer (TMB) die Zukunftsfelder für die Landestourismuskonzeption den Teilnehmenden vor.

Übersicht Zukunftsfelder

TOP 2

Das anschließende Votum der Teilnehmenden zeigte ein klares Bild (siehe Abbildung). Besonders zu den Zukunftsfeldern
„Lebensqualität“ durch Tourismus“, „Der Mensch im Mittelpunkt“, „Digital und Smart“, „Nachhaltigkeit“, „Neue Stadt-Land-Beziehungen“ und „Netzwerkdenken statt Hierarchie“ bestand ein großes Interesse zum Austausch.

Bewertung der Zukunftsfelder durch die Teilnehmenden

TOP 3

Danach ging es für alle Teilnehmenden in sog. "Breakout-Sessions", d.h. einzelne virtuelle Themenwerkstätten, die parallel zueinander stattfinden. Nachfolgend stellen wir Ihnen die wesentlichen Ergebnisse vor. Während der Werkstätten arbeiteten wir mit der Internet-Plattform MURAL, auf der wir die wesentlichen Aussagen festgehalten haben.

Falls Sie die Bilder im nachfolgenden Text nicht lesen können, haben wir Ihnen die Ergebnisse auch im Downloadbereich dieser Seite aufbereitet.

Werkstatt 1: Lebensqualität und Tourismus

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Im Zukunftsfeld „Lebensqualität durch Tourismus“ wurden Stichworte wie ganzheitliches Wirtschaften, neue Erfolgsfaktoren für die touristische Entwicklung und Grenzen des Wachstums, Wert-Schätzung für die Tourismusbranche und ihr Beitrag für die Gesellschaft vor Ort als Impuls in die Diskussion gegeben.

Unter der Frage „Wie soll sich unsere Region verändern?“ wurden eine Vielzahl von Zukunftsperspektiven eingebracht. Bei der Mobilität ging es um die generelle Erreichbarkeit, die letzte Meile und insbesondere Aspekte rund um den Radverkehr: Elektromobilität und landkreisübergreifende Zusammenarbeit.

In einem zweiten großen Themenblock wurde das Zusammenspiel von Tourismus mit der Bevölkerung vor Ort diskutiert. Aktivitäten sollten verstärkt (auch) auf die Einheimischen ausgerichtet werden, im Sinne des Zieles der Steigerung der Lebensqualität. Dazu zählten Aspekte wie die Darstellung des Nutzens aus Angeboten und Infrastruktur oder Stolz auf die eigene Region ebenso wie Diskussionen um Wachstumsgrenzen.

Aus Sicht der Teilnehmenden sind zudem neue Erfolgsfaktoren gefragt und zwar eher qualitativ wie z.B. Besucherlenkung bzw. Verteilung der Gäste oder die Saisonverlängerung.

Werkstatt 2: Der Mensch im Mittelpunkt

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Im Zukunftsfeld Mensch im Mittelpunkt geht es um den touristischen Arbeitsmarkt, um Beschäftigung und Ausbildung, um ein neues Führungsverständnis, den unterschiedlichen Blick von Generationen und Individuen auf die Arbeit und ihre Motivationen und ebenso neue Geschäftsmodelle und eine Unternehmenslandschaft im Wandel.

Ein Schwerpunkt in der Diskussion lag auf der Rolle und Ansprache der Jugend, der Nachwuchskräfte. Es gelte, Kinder und Jugendliche bereits als Gäste vom Tourismus zu begeistern. In der Phase der Berufsorientierung sollten gezielte Kampagnen und einzelne Kommunikationspunkte über digitale Medien, Schulen etc. lanciert werden. Besonders die Arbeitsplatzqualität und die Erreichbarkeit des Arbeitsorte seien für Jugendliche wichtig.

Nach Einschätzung der Teilnehmenden brauche es generell mehr Flexibilität bei der Arbeit im Tourismus. Top-Service mit weniger Personal müsse möglich sein, dafür brauche es neue Konzepte und Prozesse genauso wie funktionierende Netzwerke.

Die Wertschätzung in und für die Branche ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt. Mitarbeiterbindung, Arbeitsbedingungen und Perspektiven/Weiterbildung waren wichtige Stichworte.

Werkstatt 3: Digital und Smart

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Im Zukunftsfeld „Digital und Smart“ wird die Digitalisierung im Tourismus in Brandenburg weitergedacht. Digitale Services und Dienstleistungen, neue Monitoringtools und Daten oder Automatisierungen wie digitale Bezahlvorgänge, kontaktloser Check-In und Robotik. Gefragt ist, was einen echten Nutzen für Akteurinnen und Akteure sowie Gäste bringt.

Unter der Überschrift „Digital und Smart“ arbeiteten die Teilnehmenden ein breites Themenspektrum heraus, von digitalen Informationsstelen und länderübergreifenden Schnittstellen bis hin zu Tools zur Kundenzufriedenheitsmessung und der Herausforderung der Digitalisierung in der Fläche.

Gerade die Chancen aus einer zunehmenden Digitalisierung für den Tourismus in Brandenburg sollten stärker kommuniziert werden. Dafür gelte es, die Anbieter zu sensibilisieren, um die Akzeptanz zu stärken, digitale Lernformate auszubauen und im Dialog den individuellen Einstieg in digitale Prozesse und smartere Angebote zu finden.

Rahmenbedingungen wie eine gute Netzabdeckung auch im ländlichen Raum oder einheitliche Standards für DSGVO-konforme Prozesse sollten noch besser koordiniert und vorangetrieben werden.

Werkstatt 4: Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit ist einer der zentralen Megatrends in der Gesellschaft und somit ein elementares Zukunftsfeld für die weitere Entwicklung des Tourismus in Brandenburg. Ob Klimawandel und Klimaanpassung, neue Mobilität & Logistik, Regionale Produkte und Kreislaufwirtschaft, Baukultur & Authentizität, Abfall, Wasser und Energie, das Zukunftsfeld ist vielschichtig.

Nach Einschätzung der Teilnehmenden ist für eine nachhaltigere Entwicklung des Tourismus in Brandenburg und letztlich der Gesellschaft vor allem Eigenverantwortung gefragt. Hier seien Kommunen, Betriebe und Gäste gleichermaßen gefordert. Eine breitere Kommunikation und ein leichterer Zugang zum Thema sowie das Prinzip der kleinen Schritte wurden vorgeschlagen.

Im Spannungsfeld zwischen Naturnutzung und Naturerhalt fielen Stichworte wie Besucherlenkung oder Wachstumsgrenzen. Es ginge u.a. um Verhaltensregeln für die Gäste und die Verlagerung von Gästeströmen weg von temporär überlaufenen Hotspots. Wichtig seien Entscheidungen im Dialog mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort.

Auch die soziale Nachhaltigkeit spiele eine wichtige Rolle. Einem nachhaltigen Personalmanagement komme eine immer größere Bedeutung zu. Wertschätzung in und für die Branche sei eine zentrale Herausforderung. Auch Aspekte wie bezahlbarer Wohnraum und die Erreichbarkeit der Arbeitsorte wurden genannt.

Werkstatt 5: Neue Stadt-Land-Beziehungen

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Impulse in diesem Zukunftsfeld beziehen sich auf das Spannungs- aber gleichzeitig auch das Potenzialfeld Stadt-Land bzw. Provinz-Metropole. Der Beitrag des Tourismus zu einer aktiven Regionalentwicklung ist ebenso Thema wie neue Zielgruppen mit neuen Ansprüchen. Schon daran wird deutlich, dass es viele unterschiedliche Perspektiven und damit Zugänge zu diesem Zukunftsfeld gibt.

Als ein zentrales Thema wurde auch hier die Mobilität identifiziert, die sich aus Sicht der Teilnehmenden wie ein roter Faden durch viele der Zukunftsfelder ziehe. Intermodale Mobilitätsketten seien ein wichtiges Entwicklungsfeld; autonomes Fahren, Kombibusse, eine bedarfsgerechte Planung des ÖPNV konkrete Ansatzpunkte. Die Bedeutung der Verkehrswende bei Politik und Verwaltung
sowie die Rolle des Tourismus bei der Verkehrsplanung sollten gestärkt werden.

Bei der Besucherlenkung könnten digitale Daten und Informationssysteme helfen, die Gäste besser zu verteilen. Auch eine gezielte Ansprache bestimmter Gästegruppen im Marketing könne einen Beitrag leisten. Als regionale Besonderheiten wurden der Boots- und der Wohnmobiltourismus angesprochen, u.a. Infrastrukturen für die Ver- und Entsorgung.

in weiterer Punkt bei den Stadt-Land-Beziehungen waren Konflikte zwischen Einheimischen, Zugezogenen (häufig aus der Stadt aufs Land) und Gästen. Unterschiedliche Erwartungshaltungen und Ansprüche und auch soziale Prägungen gelte es hier zu überwinden. Offenheit und Respekt seien gleichermaßen gefordert. Wichtig dabei seien Transparenz und die Wahrung der Authentizität, aber gleichzeitig die Offenheit, neue Impulse zuzulassen.

Werkstatt 6: Netzwerkdenken statt Hierarchien

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Das Zukunftsfeld „Netzwerkdenken statt Hierarchien“ steht ganz im Zeichen neuer Kollaborationsformen. Wie sieht die Zukunft der Zusammenarbeit im Tourismus in Brandenburg aus? Was macht zukunftsweisende Netzwerke aus? Wie können Touristikerinnen und Touristiker, Verwaltung, Unternehmerinnen und Unternehmer, Politik und weitere tourismusrelevante Partnerinnen und Partner noch besser zusammenarbeiten? Wie funktionieren Kooperationen in der Welt von morgen?

Bis 2030 solle die vertikale und horizontale Kommunikation verbessert sowie Netzwerke (z.B. Tourismusnetzwerk) und Kooperationen ausgebaut werden. Gerade der Ausbau des Tourismusbewusstseins wurde als konkretes Ziel herausgearbeitet, um die Branche im Sinne einer integrativen lokalen und regionalen Entwicklung zu stärken. Parallel dazu gelte es, die Arbeitsteilung zwischen den Ebenen, aber auch mit funktionalen Partnerinnen und Partnern zu optimieren.

Mit Blick auf die Kommunikation in Zeiten der Corona-Pandemie wünschten sich die Teilnehmenden vor allem Transparenz und Einheitlichkeit zwischen Ordnungsämtern, Kommunen und dem Land.

 

Die Erkenntnisse aus dieser sowie den drei weiteren Regionalkonferenzen werden nun in den weiteren Strategieprozess aufgenommen.

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