4. Regionalkonferenz (Nauen)

Virtuell am 24.11.2021

Die Regionalkonferenzen stellten einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur LTK 2022+ und für die Beteiligung der Akteurinnen und Akteure vor Ort dar. Ziel der Diskussionen war es, zunächst ein gemeinsames Zielverständnis (Vision 2030) für die relevanten Zukunftsfelder zu entwickeln sowie Ideen, Hindernisse und regionale Besonderheiten auf dem Weg dorthin zu sammeln.

TERMINÜBERSICHT

Ort: pandemiebedingt virtuell

Termin: 24.11.2021

Teilnehmende: 48 Teilnehmende aus Unternehmen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft, Verbänden, Vereinen, Verwaltung (Kommunen, Landkreise, Land) und weiteren Organisationen und Einrichtungen

AGENDA

TOP 1 Auf dem Weg zur neuen Landestourismuskonzeption (LTK 2022+)
TOP 2 Schwerpunktsetzung innerhalb der Zukunftsfelder
TOP 3 Diskussion und Themensammlung zu ausgewählten Zukunftsfeldern

TOP 1

Zu Beginn der Veranstaltung stellten Dr. Mathias Feige (dwif) und Dr. Andreas Zimmer (TMB) die Zukunftsfelder für die Landestourismuskonzeption den Teilnehmenden vor.

Übersicht Zukunftsfelder

TOP 2

Das anschließende Votum der Teilnehmenden zeigte ein klares Bild (siehe Abbildung). Besonders zu den Zukunftsfeldern
„Neue Stadt-Land-Beziehungen“, „Lebensqualität durch Tourismus“, „Nachhaltigkeit“, „Digital und Smart“, „Der Mensch im Mittelpunkt“ und „Netzwerkdenken statt Hierarchie“ bestand ein großes Interesse zum Austausch.

Bewertung der Zukunftsfelder durch die Teilnehmenden (zum Vergrößern klicken)

TOP 3

Danach ging es für alle Teilnehmenden in sog. "Breakout-Sessions", d.h. einzelne virtuelle Themenwerkstätten, die parallel zueinander stattfinden. Nachfolgend stellen wir Ihnen die wesentlichen Ergebnisse vor. Während der Werkstätten arbeiteten wir mit der Internet-Plattform MURAL, auf der wir die wesentlichen Aussagen festgehalten haben.

Falls Sie die Bilder im nachfolgenden Text nicht lesen können, haben wir Ihnen die Ergebnisse auch im Downloadbereich dieser Seite aufbereitet.

Werkstatt 1: Neue Stadt-Land-Beziehungen

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Impulse in diesem Zukunftsfeld beziehen sich auf das Spannungs- aber gleichzeitig auch das Potenzialfeld Stadt-Land bzw. Provinz-Metropole. Der Beitrag des Tourismus zu einer aktiven Regionalentwicklung ist ebenso Thema wie neue Zielgruppen mit neuen Ansprüchen. Schon daran wird deutlich, dass es viele unterschiedliche Perspektiven und damit Zugänge zu diesem Zukunftsfeld gibt.

Ein zentraler Punkt sind die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Stadt- und Landbevölkerung, z.B. urbane Vorstellungen über die Verfügbarkeit von ÖPNV-Angeboten oder sonstigen Dienstleistungen. Gleichzeitig wird ein idealisiertes/teils künstliches Bild des Landlebens erwartet, das es in der Realität aber nicht gebe. Es gehe um mehr Verständnis füreinander, z.B. über konkrete Kommunikationsangebote oder Führungen.

Wichtig für die touristische Entwicklung sei eine ausgeprägte Gastfreundschaft. Dafür müsse das Tourismusbewusstsein weiter gestärkt werden. Eine Empfehlungsmentalität untereinander und Miniangebote wie Gartenzaungetränke o.ä. seien gerade im ländlichen Raum wichtige Elemente.

„Jeder touristisch relevante Ort sollte bis 2030 öffentlich/intermodal erreichbar sein.“ so ein Ziel im Bereich Mobilität. Die Verknüpfung der Angebote des Umweltverbundes, Car-Sharing und weitere Alternativen müssten dafür auch im ländlichen Raum entwickelt werden.

Werkstatt 2: Lebensqualität und Tourismus

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Im Zukunftsfeld „Lebensqualität durch Tourismus“ wurden Stichworte wie ganzheitliches Wirtschaften, neue Erfolgsfaktoren für die touristische Entwicklung und Grenzen des Wachstums, Wert-Schätzung für die Tourismusbranche und ihr Beitrag für die Gesellschaft vor Ort als Impuls in die Diskussion gegeben.

Zufriedene Betriebe und Mitarbeitende seien Voraussetzung für eine hohe Lebensqualität, so die Teilnehmenden der Regionalkonferenz. Hier könnten z.B. Wirtschaftsfördergesellschaften und Kommunen zusammen mit den Tourismusverantwortlichen als Lotsen fungieren (unterstützen, informieren, formale Hürden herabsenken etc.). Aber auch die Eigenverantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer sei gefordert.

Tourismus sei in Politik und Verwaltung immer noch nicht ausreichend als Faktor für wirtschaftlichen Erfolg und die Steigerung der Lebensqualität anerkannt. Ein enger und stetiger Dialog z.B. mit den Gemeindevertreter:innen und Stadtverordneten, niedriger Eisntiegshürde und klarem Bezug zum Nutzen für die Einheimischen seien mögliche Ansatzpunkte. Zudem wurde die Aufnahme des Tourismus als kommunale Pflichtaufgabe gefordert.

Durch die Teilnehmer:innen wurden mögliche Grenzen des touristischen Wachstums thematisiert. Statt des klassischen Mengenwachstums solle es vielmehr um Wertschöpfung, Respekt vor Natur und der Bevölkerung vor Ort gehen. Als regionale Besonderheit wurde in diesem Bereich der starke Nachfragedruck im Wassertourismus genannt.

Werkstatt 3: Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit ist einer der zentralen Megatrends in der Gesellschaft und somit ein elementares Zukunftsfeld für die weitere Entwicklung des Tourismus in Brandenburg. Ob Klimawandel und Klimaanpassung, neue Mobilität & Logistik, Regionale Produkte und Kreislaufwirtschaft, Baukultur & Authentizität, Abfall, Wasser und Energie, das Zukunftsfeld ist vielschichtig.

In der Diskussion zum Zukunftsfeld Nachhaltigkeit wurde deutlich, wie breit Nachhaltigkeit eigentlich wirkt. Vom Landschaftsbild über die Energieeffizienz und regionale Produkte, die CO2-Neutralität (mit starkem Bezug zur Mobilität) und mögliche Zertifizierungen als Region bis zu sozialen Aspekten. Die Vielfalt sei groß und viele Gäste suchten zunächst nach Orientierung und Transparenz, bevor eine echte Sensibilisierung und letztlich Umsetzung erfolgen könne.

Grundsätzlich wurde gefordert, seitens der öffentlichen Hand mehr Raum für Experimentierfelder zu geben und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Als mögliches strategisches Ziel warfen die Teilnehmer:innen die Idee auf, Brandenburg als Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit im Tourismus zu entwickeln.

Werkstatt 4: Digital und Smart

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Im Zukunftsfeld „Digital und Smart“ wird die Digitalisierung im Tourismus in Brandenburg weitergedacht. Digitale Services und Dienstleistungen, neue Monitoringtools und Daten oder Automatisierungen wie digitale Bezahlvorgänge, kontaktloser Check-In und Robotik. Gefragt ist, was einen echten Nutzen für Akteure und Gäste bringt.

Bevor es an die konkrete Umsetzung gehe, brauche es zunächst einen Wandel bei den Akteurinnen und Akteure selbst, ein ausgeprägteres digitales Mindset an. Dabei könnten Multiplikatoren z.B. durch Angebote zum Wissenstransfer oder Dialogformate unterstützen. Auch Förderprogramme kön0znen Möglichkeiten für Impulse bieten, besonderes bei kleinen Betrieben.

Als weiteres Handlungsfelder wurden das Datenmanagement und die Ableitung digitaler Produkte ausgemacht. Die Verknüpfung unterschiedlichster digitaler Daten für digitale Services sei hier eine Grundvoraussetzung. Zudem könnten digitale Angebote das Schaffen von Netzwerken mit nicht-touristischen Unternehmen erleichtern und den Nutzen der touristischen Entwicklung für die Bevölkerung steigern (z.B. Mein Brandenburg).

Werkstatt 5: Der Mensch im Mittelpunkt

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Im Zukunftsfeld Mensch im Mittelpunkt geht es um den touristischen Arbeitsmarkt, um Beschäftigung und Ausbildung, um ein neues Führungsverständnis, den unterschiedlichen Blick von Generationen und Individuen auf die Arbeit und ihre Motivationen und ebenso neue Geschäftsmodelle und eine Unternehmenslandschaft im Wandel.

Die Herausforderungen rund um die Menschen im Tourismus und den touristischen Arbeitsmarkt sind groß. Dementsprechend wurden zunächst eine Reihe von Fragen durch die Teilnehmer:innen aufgeworfen: Wie kann man kurzfristig auf den Personalmangel reagieren? Wie verändern wir das Image der Arbeitswelt Tourismus? Wie kann man trotz und mit Corona Perspektiven bieten? Wie kann Wertschätzung auch im Betrieb gesteigert werden?

Königswege gibt es für keine dieser Fragen, aber viele konkrete Ansatzpunkte:

  • Aktivitäten rund um den touristischen Arbeitsmarkt bündeln (Verbände, Betriebe, Tourismusorganisationen, Politik)
  • Arbeitsbedingungen verbessern und Mehrwerte aufbauen (Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Verdienst, Unterkünfte, Mobilität etc.)
  • Führungskultur verändern (Mindset und Umgang miteinander)
  • Betriebskonzepte mit weniger Personalbedarf entwickeln

 

Werkstatt 6: Netzwerkdenken statt Hierarchien

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Das Zukunftsfeld „Netzwerkdenken statt Hierarchien“ steht ganz im Zeichen neuer Kollaborationsformen. Wie sieht die Zukunft der Zusammenarbeit im Tourismus in Brandenburg aus? Was macht zukunftsweisende Netzwerke aus? Wie können Touristikerinnen und Touristiker, Verwaltung, Unternehmerinnen und Unternehmer, Politik und weitere tourismusrelevante Partnerinnen und Partner noch besser zusammenarbeiten? Wie funktionieren Kooperationen in der Welt von morgen?

Es brauche Schnittstellen, um horizontal und vertikal die Zusammenarbeit zu stärken. Aus Sicht der Teilnehmenden sei hier auch ein abgestimmtes Vorgehen zwischen den unterschiedlichen Ministerien im Sinne der Querschnittsbranche Tourismus notwendig.

Künftig sollten touristische und nicht-touristische Betriebe stärker miteinander vernetzt werden. Dafür müsse man die gegenseitigen Potenziale kennen und es brauche Kümmernde. Kleine Betriebe hätten hierfür oft nicht die notwendigen Ressourcen, würden aber stark profitieren. Entsprechende Unterstützungsstrukturen könnten helfen.

Auch die Zuständigkeiten im 3-Ebenen-Modell im Brandenburg-Tourismus (Orte-Regionen-Land) wurden diskutiert. Generell sei es wichtig, dieses System zu stärken, um in der kleinteilig strukturierten Tourismuslandschaft alle relevanten Partner:innen erreichen zu können. Dafür brauche es eine klare Rollen- und Aufgabenteilung.

Spannend auch der Impuls, dass es teilweise zu viele Netzwerke gebe. Hier kommt die Bedeutung für ein Netzwerkmanagement zum Tragen: Welche Netzwerke braucht es für welche Ziele? Wo kann man Aktivitäten bündeln? Wie kann man relevante Netzwerke auch tatsächlich mit Leben füllen?

 

Die Erkenntnisse aus dieser sowie den drei weiteren Regionalkonferenzen werden nun in den weiteren Strategieprozess aufgenommen.

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