Projektbeschreibung

Akzeptanz des Tourismus: „Zufrieden dort leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen“

in Umsetzung
01.06.2020 - 30.09.2020

Durch die Corona-Pandemie ist der Tourismus in der Projektregion seit März 2020 fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch nach der vorsichtigen Öffnung ab Mai 2020 hat die Branche mit massiven Umsatzeinbußen und nach wie vor großen Unsicherheiten zu kämpfen. Die Prioritäten haben sich im Handlungsfeld dadurch völlig verschoben. Hauptziel in der Projektregion ist zunächst, den Tourismus langsam wieder anlaufen zu lassen und Insolvenzen zu vermeiden.

 

Schon vor dem Lockdown gab es in der Projektregion punktuelle Akzeptanzprobleme des Tourismus. Das hat verschiedene Ursachen. Zum einen stiegen die Besucherzahlen in der Projektregion seit Jahren kontinuierlich an, so dass es in einigen Orten in der Hauptsaison schon zu einem deutlichen Zuwachs an Touristen kommt. Die Bürger*innen nehmen dies als eine echte oder eine gefühlte Minderung der Lebensqualität wahr, worunter letztlich auch die Qualität der Erfahrungen von Besucher*innen leidet. Da der Hauptquellmarkt Berlin ist, fühlen sich viele „Einheimische“ insbesondere von den Berliner*innen „überrannt“. Quantitativ ist dieses Zuviel allerdings nicht messbar, da es keine definierten Grenzen gibt.

 

Gleichzeitig agieren viele Berliner*innen als Investor*innen, Unternehmer*innen und Anbieter*innen oft hochqualitativer, touristischer Leistungen in der Umsetzungsregion. Sie haben Gebäude instandgesetzt und somit zu einer Aufwertung der Ortschaften beigetragen. Diese Aufwertung führt aber auch zu einer schleichenden Gentrifizierung des ländlichen Raums. Die Grundstückspreise steigen in einigen begehrten Teilregionen und den Einheimischen fehlen im Gegensatz zu potenziellen Neubürger*innen häufig die finanziellen Ressourcen. So entsteht bei den Einheimischen das Gefühl einer Grundungerechtigkeit: Die durch den Tourismus generierten Gewinne bleiben privat, fließen also den beispielsweise aus Berlin stammenden Anbietern zu, die negativen Folgen dagegen werden vergesellschaftet: erhöhtes Verkehrsaufkommen, Preissteigerungen und Beeinträchtigungen im Alltag müssen alle tragen, auch diejenigen, die nicht mitverdienen. Die positiven Auswirkungen wie beispielsweise Einkommens- und Beschäftigungseffekte, eine Bereitstellung von Infrastruktur, kulturellem Angebot und Events geraten hierbei schnell in den Hintergrund, besonders dann, wenn hierdurch nicht das einheimische Publikum, sondern eher zahlungskräftige Großstädter*innen angesprochen werden.

 

Im Rahmen der Corona-Krise haben sich diese Mentalitätsdifferenzen noch weiter verstärkt. Aufgrund der Reisebeschränkungen wurde plötzlich wieder sehr klar unterschieden zwischen denen von hier und den „Fremden“. Es wurden Ängste gegenüber den Großstädter*innen laut, die das Virus in den ländlichen Raum einschleppen oder den ländlichen Raum „leer Hamstern“. Das Gefühl des Nicht-Willkommenseins hat wiederum negative Auswirkungen auf den durch die Corona-Krise im Moment noch brachliegenden Tourismus in der Umsetzungsregion.

 

Themen
Corona, Digitalisierung, Marktforschung, Nachhaltigkeit, Politik & Verwaltung, Projekte, Strategien
Tourismus
Architektur & Baukultur, Camping, Gastronomie, Gesundheitstourismus, Handwerk & Manufakturen, Hotel & Unterkünfte, Kinder & Jugend, Kreativtourismus, Kulturtourismus, Kunst & Ausstellungen, Landtourismus, M.I.C.E., Museen & Freizeit, Naturtourismus, Radtourismus, Reittourismus, Sehenswürdigkeiten, Theater & Konzerte, Wandertourismus, Wassertourismus, Wellness
Projektträger
tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH
Weitere Projektpartner
HNE Eberswalde
Träger und Förderprogramme
WIR! Regionalisierung 4.0 - Förderung von Identität & Qualität durch regionale Wertschöpfungsnetzwerke" im Rahmen der Richtlinie "WIR! -Wandel durch Innovation in der Region.
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Silke Rumpelt

tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH

rumpelt@tourismus-uckermark.de