Projektbeschreibung

Machbarkeitsstudie „Einführung einer BrandenburgCard inkl. fahrpreislosem ÖPNV für Gäste im Reiseland Brandenburg“

in Umsetzung
01.01.2020 - 31.12.2020

Ausgangslage

Räumliche Mobilität ist eine der Voraussetzungen unseres Lebens und Wirtschaftens. In diesem Zusammenhang steht das Land Brandenburg vor besonderen Herausforderungen. Mit einer sich verdichtenden Metropolregion im Zentrum und ländlichen Räumen in den peripheren Gebieten, der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, dem demografischen Wandel, aber auch veränderten Kunden- und Nutzerverhalten und -bedürfnissen sind nur einige genannt. Diese Entwicklungen haben nicht nur unmittelbare Folgen für die Bevölkerung, sondern auch für die Brandenburgische Tourismuswirtschaft, die von einer Ortsgebundenheit und Nicht-Verlagerbarkeit ihrer Angebote und Produkte gekennzeichnet ist.

Der Tourismus in Brandenburg erfreut sich großer Beliebtheit. Um diese Potentiale weiter nutzen und ausschöpfen zu können, spielt die Erreichbarkeit des Landes Brandenburg eine zentrale Rolle. Gekennzeichnet ist sie von zunehmender Intermodalität, digitaler und intelligenter Vernetzung sowie der Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte und Dienstleistungen. Für das Reiseland Brandenburg ergeben sich daraus etliche Chancen, gerade auch vor dem Hintergrund zukünftiger Entwicklungen.

Andere Regionen in Deutschland machen das vor. So werden in vielen Tourismusorten Gästetickets angeboten, mit denen die Gäste für die Dauer des Aufenthalts den örtlichen oder regionalen Nahverkehr ohne weitere Kosten nutzen können. Finanziert wird dies meist durch eine von den Gästen zu entrichtende Kur- oder Tourismusabgabe oder durch die Übernachtungspauschale. Während eine Kur- und Tourismusabgabe dabei oft von allen Beherbergungsbetrieben einer Kommune erhoben wird, sind Übernachtungspauschalen Aufschläge auf den Übernachtungspreis bei teilnehmenden Beherbergungsbetrieben. In einigen Regionen werden Gästetickets nur angeboten, wenn die Regionen oder Beherbergungsbetriebe sich freiwillig dazu entschließen.Die Kosten des Gästetickets sind regional unterschiedlich.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen einen positiven Effekt auf die Verkehrsmittelwahl zu Gunsten öffentlicher Verkehrsmittel, da die Gäste den ÖPNV in einem für sie fremden Nahverkehrssystem ohne tarifliche Zugangshemmnisse nutzen können. Den Kommunen bzw. Beherbergungsbetrieben, die am Gästeticket teilnehmen, entsteht dabei oft ein Wettbewerbsvorteil, da sie den Gästen einen Mehrwert bieten können. Viele Kommunen führen auch ihre steigenden Übernachtungszahlen auf ein Gästeticket zurück. Die Verkehrsunternehmen profitieren von höheren Auslastungen der Öffentlichen Verkehre durch steigende Nutzerzahlen. In ländlichen Gegenden können zusätzliche Nutzer außerdem zum Erhalt des Linienangebotes beitragen.

Nicht zuletzt ist eine stärkere Nutzung der öffentlichen Verkehre oft verbunden mit einem (zeitweisen) Verzicht auf den motorisierten Individualverkehr. Auch wenn oftmals die Anreise der Gäste nach wie vor mit dem eigenen Auto erfolgt, wird die Vor-Ort-Mobilität oftmals durch den ÖPNV abgewickelt.

Bereits seit vielen Jahren existieren auf kommunaler und regionaler Ebene verschiedene Ansätze, einen fahrpreislosen ÖPNV für die Gäste des Landes Brandenburg einzuführen. Beispiele finden sich im Spreewald, in Bad Saarow, in der Gemeinde Schwielowsee oder auch in Templin. Auf dem Weg dorthin sind auch die brandenburgischen Fahrtziel Natur-Gebiete Biosphärenreservate Schorfheide-Chorin und Flusslandschaft Elbe, die bis Mitte des Jahrzehnts fahrpreislose Angebot für ihre Gäste schaffen wollen.

Seit einigen Jahren wird auch auf der Landesebene immer wieder dieses Thema adressiert. Sei es mit der Studie „Das Ausflugs- und Mobilitätsverhalten der Berlinerinnen und Berliner im Freizeit- und Urlaubsverkehr im Land Brandenburg“ (2014), die sogar schon zu diesem Zeitpunkt vor der Verstärkung der Klimadiskussion feststellte, dass für 40% der Berliner ein autofreier Erholungsort ein Reiseanlass wäre.  Oder auch mit den jährlichen Konferenzen „Nahverkehr und Tourismus“  und dem „Handbuch Nahverkehr und Tourismus im Land Brandenburg“, die wiederholt alternative Möglichkeiten der Finanzierung der touristischen Mobilität darstellen und diskutieren.

In der aktuellen Landestourimuskonzeption, die im Einklang mit weiteren landesplanerischen Instrumenten und Strategien entwickelt wurde (z.B. Mobilitätsstrategie 2030) wird die Einbeziehung alternativer Finanzierungsformen wie z.B. der Tourismusabgabe explizit erwähnt und mit der Schlüsselaufgabe „Entwicklung alternativer Nutzungs- und Finanzierungsmodelle“ untersetzt.  Mit der Modifizierung des Kommunalabgabengesetzes im Mai 2019 wurden dafür weitere rechtliche Grundlagen gelegt. 

Schließlich: die aktuelle Corona-Krise hat zumindest kurzfristig zu einem deutlichen Rückgang der Nutzungszahlen des ÖPNV geführt. Genaue Zahlen im Bereich Urlaubs- und Freizeitverkehre liegen dem Auftraggeber nicht vor. Erste Hinweise sprechen dafür, dass insbesondere die Gelegenheitsverkehre deutlich abgenommen haben. Hier gilt es in Abhängigkeit zur gesundheitlichen Lage Vertrauen wieder aufzubauen, was letztlich durch einen attraktiven und sicheren Urlaubs- und Freizeitverkehr im Land Brandenburg erreicht werden soll.

Ziele der Studie

Im Rahmen des hier ausgeschriebenen Auftrags soll eine Machbarkeitsstudie für das touristische Land Brandenburg und seine Regionen für die Einführung einer „BrandenburgCard“ erstellt werden. Erste konzeptionelle Überlegungen gehen dahin, dass brandenburgweit bzw. in den teilnehmenden Regionen eine „Basiskarte“ eingeführt wird, die regional durch Zusatzmodule ergänzt werden kann (z.B. in Region XY ist auch der Besuch von Kultureinrichtungen enthalten). Dabei wird es wesentlich sein, und hier erhofft sich der Auftraggeber tiefgehende Erkenntnisse, zu evaluieren, welche notwendigen Ressourcen gemeinsam beschafft und betrieben werden können.

Ziel der Studie ist es also vor allem, eine dezidierte und detaillierte Entscheidungsgrundlage zu erhalten, die die gemeinsame Planung, Einführung und den dauerhaften Betrieb einer BrandenburgCard inkl. der dafür notwendigen technischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen aufzeigt.

Auftragnehmer

IGES Institut GmbH & Kohl und Partner GmbH

Mitglieder des Steuerungskreises

  • Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg
  • Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung
  • VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH
  • Städte- u. Gemeindebund Brandenburg
  • DEHOGA Brandenburg e.V.
  • LTV Landestourismusverband Brandenburg e.V.
  • tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH
Themen
Infrastruktur, Mobilität, Nachhaltigkeit, Projekte
Projektträger
TMB Clustermanagement Tourismus
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Andreas Zimmer

Leiter Clustermanagement Tourismus

TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

0331-29873-570 Andreas.Zimmer@reiseland-brandenburg.de