Wirtschaftsfaktor Tourismus (TSA)

Hier finden Sie Fakten zur ökonomischen Bedeutung der Tourismuswirtschaft in Brandenburg: Touristischer Konsum, Bruttowertschöpfung und Erwerbstätige für das Jahr 2015

Die ökonomische Bedeutung der Tourismuswirtschaft in Brandenburg

Mit der Methode des Tourismus-Satellitenkontos (TSA), die die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) 2008 eingeführt hat, kann die Bedeutung des Tourismus mit anderen Branchen und der gesamten Volkswirtschaft verglichen werden.

Das Institut für Management und Tourismus (IMT) hat in Zusammenarbeit mit DIW Econ, ein Beratungsunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, und dem deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Brandenburg bezogen auf das Jahr 2015 errechnet. Die Wirtschaftsleistung der Tourismusbranche Brandenburgs konnte damit erstmalig so ermittelt werden, dass sie zur Gesamtwirtschaft und zu anderen Branchen vergleichbar ist.

Die Untersuchung zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Tourismuswirtschaft in Brandenburg konzentriert sich auf:

  • Umfang und Struktur des touristischen Gesamtkonsums in Brandenburg.
  • Von der touristischen Nachfrage ausgelöste direkte und indirekte Effekte auf Bruttowertschöpfung und Beschäftigung in Brandenburg.
  • Einordnung der direkten Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte im Vergleich zu anderen Branchen in Brandenburg.

Kernergebnisse für Brandenburg (Jahr 2015)

Für das Jahr 2015 weist das regionale Tourismus-Satellitenkonto für Brandenburg einen touristischen Konsum von insgesamt 6,1 Mrd. Euro und eine touristische Bruttowertschöpfung von 3,4 Mrd. Euro (2,5 Mrd. direkt und 0,9 Mrd. indirekt) aus. Insgesamt waren fast 100.000 Erwerbstätige direkt bzw. indirekt in der Tourismuswirtschaft beschäftigt. 

Die Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte schlagen sich nicht nur im brandenburgischen Gastgewerbe nieder. Zwar entfällt der größte Anteil der Bruttowertschöpfung – und in noch stärkerem Maße der Beschäftigung – auf das klassische Gastgewerbe, andere Produktionsbereiche profitieren aber ebenfalls signifikant.

Die ausführliche Kurzexpertise "Regionales Tourismus-Satellitenkonto Brandenburg 2015. Die ökonomische Bedeutung der Tourismuswirtschaft in Brandenburg" finden Sie hier als Download.

touristischer Konsum:

  • Von den insgesamt 6,1 Milliarden Euro touristischen Ausgaben stellen Ausgaben für Gaststättenleistungen, die dem klassischen Gastgewerbe angehören, mit 1,3 Milliarden Euro den größten Ausgabenposten dar. Mit rund 1,1 Milliarden Euro spielt auch der Erwerb von nicht spezifisch tourismus-charakteristischen Konsumgütern („Shopping“) eine wichtige Rolle. Zu dieser Produktkategorie gehört beispielsweise der Erwerb von Souvenirs, Bekleidung oder Büchern. Mit jeweils rund 560 Millionen Euro sind die Ausgaben für Sport, Erholung, Freizeit und Kultur, ebenso wie die Ausgaben für Beherbergungsleistungen, von großer Bedeutung.
  • Touristen aus anderen Bundesländern tragen mit knapp 3,6 Milliarden Euro bzw. 59 Prozent den größten Anteil zum touristischen Gesamtkonsum in Brandenburg bei. Binnentouristen machen mit Ausgaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro fast ein Drittel des in Brandenburg wirksam werdenden touristischen Gesamtkonsums aus. Ausländische Touristen haben in Brandenburg Ausgaben in Höhe von 0,3 Milliarden Euro getätigt. Weitere rund 0,3 Milliarden Euro belaufen sich auf "anderer Konsum" (bspw. staatliche Zuschüsse).

Bruttowertschöpfung im Branchenvergleich:

  • Die Tourismuswirtschaft in Brandenburg ist hinsichtlich ihres direkten Bruttowertschöpfungsanteils von 4,2 Prozent anteilig betrachtet bedeutender als in der Bundesrepublik (3,9 Prozent). Im Vergleich mit einer Auswahl verschiedener Branchen in Brandenburg liegt die Tourismuswirtschaft deutlich vor der Landwirtschaft (1,2 Prozent) und der Informations- und Kommunikationsbranche (2,6 Prozent), aber nur etwas hinter Erziehung und Unterricht. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Tourismuswirtschaft in Gänze um einiges bedeutsamer ist als das Gastgewerbe allein (direkter Bruttowertschöpfungsanteil von 1,5 Prozent).

Beschäftigung im Branchenvergleich:

  • Analog zum direkten Bruttowertschöpfungsanteil liegt auch der direkte Beschäftigungsanteil mit 7,6 Prozent an der Gesamtbeschäftigung oberhalb des Wertes auf Bundesebene (6,8 Prozent). Im Vergleich mit anderen Branchen Brandenburgs ordnet sich die Tourismuswirtschaft weit vorne ein. Der durch den Tourismus ausgelöste direkte Beschäftigungsanteil liegt unterhalb des Anteils des Baugewerbes, aber deutlich oberhalb des Anteils von Verkehr und Lagerei, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistern sowie der Landwirtschaft. Die Tatsache, dass der Beschäftigungseffekt (7,6 Prozent) der touristischen Nachfrage den Bruttowertschöpfungseffekt (4,2 Prozent) deutlich übersteigt zeigt, dass es sich bei der Tourismuswirtschaft in Brandenburg um eine besonders beschäftigungsintensive Branche handelt.

Hintergründe und Informationen zur Methode

Mehr als 13 Millionen Übernachtungen sind 2017 in Brandenburg gezählt worden. Welche Wertschöpfung durch den Tourismus erzielt wurde und wie viele Erwerbstätige in der Tourismusbranche arbeiten, ließ sich bislang nicht verlässlich beziffern. Der Grund dafür ist, dass die amtliche Statistik und volkswirtschaftliche Gesamtrechnung den Tourismus als Querschnittsbranche nicht als eigenständigen Wirtschaftszweig erfasst. Ein Vergleich mit anderen Branchen wie dem Gastgewerbe, Transport oder dem Verarbeitenden Gewerbe waren bislang nicht möglich. 

Das Konzept des TSA erlaubt eine umfängliche und systematische Erfassung der touristischen Nachfrage und stellt diese dem Angebot der verschiedenen Wirtschaftszweige einer Volkswirtschaft gegenüber. Dazu wird der tourismusbezogene Anteil von über 70 Branchen extrahiert und in einem separaten Satellitenkonto zusammengefasst. Mit der international anerkannten Methodik des Tourismus-Satellitenkontos ist es möglich, Vergleiche zwischen Wirtschaftszweigen, Bundesländern und, wenn gewollt, Staaten zu ziehen.