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30.04.2020

1. Zukunftstag für Destinationen: Unser Rückblick auf einige Webinare

In der vergangenen Woche fand der erste Zukunftstag für Destinationen, organisiert von Tourismuszukunft, statt. Ein Teil unseres Teams hat sich zusammen mit Expertinnen und Experten unter anderem mit Szenarien und Lösungswegen der derzeitigen Situation und damit verbundenen zukünftigen Herausforderungen für DMOs und Verbänden beschäftigt.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Gastgeber und Initiatoren Tourismuszukunft Realizing Process und dessen Partnern für dieses tolle Format. Wir freuen uns dass dieses Angebot geschaffen wurde und somit ein Raum für den derzeit so wichtigen Austausch vorhanden war um uns in dieser Krise Orientierung zu geben und sich gegenseitig zu stärken. Diesen wertvollen Input wollen wir gerne weitergeben.

Wir haben an drei Webinaren mit Disskusionsraum teilgenommen und die wesentlichen Ergebnisse und Fazits zusammengefasst.

Die Inhalte bezogen sich auf folgende Fragestellungen:

  • Wie kann man anhand des Online-Kollaborationstool „Mural“ Szenarien und Lösungsstrategien für Natur- und Outdoor-Destinationen erarbeiten,
  • Wie kann eine Besucherlenkung unter Einhaltung der Hygienestandards in Overtourism-Regionen gewährleistet werden und
  • Wie wirkt sich Corona generell auf die Gesellschaft und die SINUS-Milieus aus? 

Eine Zusammenfassung des Tages sowie Zugriff auf die Materialien dieser und weiterer Sessions, können auf dem Blog von Tourismuszukunft abgerufen werden.

Schon am 4. Mai 2020 geht es weiter mit dem 2. Zukunftstag für Destinationen. Zur Anmeldung und zum Programm.

Interaktiver Workshop mit dem Online-Kollaborationstool Mural zur Erarbeitung von Szenarien und Lösungsstrategien für Natur- und Outdoor-Destinationen.

Moderation: Tilman Sobek (absolutGPS), Johannes Böhm (Tourismuszukunft – Realizing Progress)

Als Einsteigerin in Sachen digitale, interaktive Workshop-Tools war ich sehr gespannt auf diese Session. Und meine Vorfreude wurde belohnt! Ich konnte ne Menge Erkenntnisse mitnehmen, die ich gerne teile.

Wer oder was ist Mural? Was sich wie ein Tier anhört, dass über den Ozeanboden gleitet, ist in Wahrheit eine digitales Tool – ein Arbeitsinstrument also. Ein – wie der Anbieter selbst schreibt „digitaler Arbeitsbereich für die visuelle Zusammenarbeit“. Übersetzt heißt es Wandzeitung.

Der Workshop war gut besucht. Mit mir haben weitere 199 Neugierige teilgenommen. Beim Betreten des virtuellen Workshopraums wurde ich von unendlich vielen, über den Bildschirm wuselnden Maus-Pfeilen begrüßt, die anscheinende von freundlich dreinschauenden Tieren gelenkt wurden. Etwas Schwindel erregend. Aber … für so viele Workshopteilnehmer*innen ist das Tool wahrscheinlich auch nicht gedacht. Noch dazu, wenn die alle – wie ich – nicht genau wissen wie es geht. Die Tiergesichter sind eine Art Platzhalter – jeder Teilnehmer, der sich nicht persönlich mit Bild und Name outen möchte, erhält ein solches „Pseudonym“. Ich war – wie viele andere „Anonymous“ und ein Pinguin. Damit konnte ich die nächsten 45 Minuten gut leben.

Da man am besten lernt, wenn man selbst tut, kamen wir auch schnell in die Aktion. Wozu man natürlich wissen muss, was man tun soll. Also: wir hatten ein Thema und ein Tool.

Das Thema treibt aktuell alle um. Wie kommen wir als Natur- und Outdoor-Destinationen wieder ans Netz? Die beiden Moderatoren führten in´s Thema ein und ließen uns an Ihren Gedanken teilhaben. Es war super vorbereitet, mit kurzen und präzisen Formulierungen. Das ist meiner Meinung nach auch doppelt und dreifach wichtig bei digitalen Tools. Denn es ist besonders schwierig, die Konzentration der Teilnehmenden zu er- und behalten. Sieht ja niemand, ob man nebenbei noch Mails checkt und, und, und.

Die beiden Moderatoren hatten mehrere Szenarien entwickelt. Mit zweien sollten wir arbeiten. Das erste Szenarium zielte auf den Tagestourismus: Tagesausflüge sind wieder zulässig, Gastro und Beherbergung aber noch geschlossen. Im zweiten Szenario waren Privatreisen in Deutschland wieder zulässig, die Grenzen blieben aber weiter geschlossen. Für beide Szenarien gab es eine Vierfelder-Modell-Vorlage. Jedes Feld hatte eine konkrete (!) Frage. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: ohne konkrete, klare Frage – keine konkreten, präzisen Antworten. Super vorbereitet also. Und so waren dann auch die Ergebnisse. Wer sich nur für diese interessiert, findet sie hier. Wenn es interessiert, wie es dazu kam … der liest am besten weiter.

Die Ergebnisse stammen tatsächlich alle von den Teilnehmer*innen. Die Moderatoren führten uns kurz in die wesentlichen Kernelemente und Arbeitsweise mit Mural ein. Das ging recht schnell. Auch ohne große Vorkenntnisse verstand ich, was - wie möglich ist und was wir tun sollten: man nimmt sich vom linken Menue-Rand ein Post-it und clickt darauf, um seinen eigenen Punkt, die Meinung, die Idee etc. aufzuschreiben. Es gibt unterschiedlich Farben und Formen der Post-its. Das kann bei Arbeitsprozessen mit verschiedenen Teilschritten /-ergebnissen für mehr Übersichtlichkeit und Struktur sorgen. Also nicht unwichtig. Mit der Maus bewegt man das Post-it über den Bildschirm und platziert es auf dem digitalen Arbeitsboard an die gewünschte Stelle.

Was fand ich gut, was weniger?

Tatsächlich konnte ich nur einen Teil der Möglichkeiten kennenlernen, d.h. die folgenden Punkte sind nur ein kleiner Momentausschnitt.

Gefallen hat mir besonders gut, dass das das Arbeiten sehr fokussiert war. Manchmal ist weniger mehr – das trifft hier zu. Kurze, präzise Aussagen – sowohl von den Moderatoren als auch den Teilnehmer*innen. Ich arbeite gerne an Pinnwänden … und das ermöglicht dieses Tool auch über große Distanzen zwischen den Teilnehmenden. Wie im beim analogen Arbeiten pinnt man seine Aussage an eine Stelle, um sie nach längerem Betrachten doch woanders zu platzieren. Das funktionierte hervorragend.

Dabei fiel mir auf, dass ich in analogen Workshops anders arbeite. Häufig treffe ich meine Entscheidungen „Wohin mit dem Post-it?“ vor der Pinnwand stehend im Dialog mit anderen Kolleg*innen. Ja, dieser direkte Austausch im Arbeitsprozess selbst fehlte mir. Klar haben wir über das Ergebnis gesprochen – aber während des Prozesses fühlte ich mich manchmal zu sehr isoliert. Aber vielleicht kann man das mit weniger Teilnehmer*innen auch anders organisieren. Denn für mehr als 200 Teilnehmer*innen ist es sicherlich weniger geeignet. Mit entsprechend prozess- und zielorientierter Arbeitsweise kann man in kleiner Gruppe garantiert auch länger als 45 Minuten mit dem Tool arbeiten.

Fazit: Wer mit dem digitalen Tool Mural, dessen Anwendung ja im Vordergrund stand, noch nicht vertraut ist, bekam einen guten ersten Eindruck über die Anwendungsmöglichkeit im virtuellen Workshop. Die Kernfunktionen sind einfach zu handhaben und so wird man auch relativ schnell Teil eines Teams, dass Post-its schreibt, auf ein Canvas Board klebt und über die virtuelle Pinnwand schiebt. 45 Minuten voller Spass, Spannung und echter Schokolade, die ich mir vorher auf den Schreibtisch gelegt hatte.

Besucherlenkung in Zeiten von Crowding  - Erfahrung aus der Overtourism-Diskussion

Moderation: Kristine Honig (Tourismuszukunft – Realizing Progress), Konstantin Andreas Feustel (Wiif GmbH)

In dieser Session gaben die Referent*innen einen Einblick in die Zeit des „Reisens mit Corona“. Vor welchen Herausforderungen stehen DMOs und Gäste wenn das Reisen wieder erlaubt ist? Kristine Honig zieht hier zunächst Parallelen zur Overtourism-Diskussion und zeigt auf, welche Erfahrungen aus dieser Debatte jetzt übernommen werden sollten, um ein möglichst sicheres Reisen zu ermöglichen. In einem zweiten Teil nimmt Konstantin Andreas Feustel das Thema der Tagestouristen auf und zeigt mit der „Kontingentierung von Tagestickets für Destinationen“ ein mögliches Szenario für den zukünftigen Tourismus auf.

1. Was wir jetzt aus der Overtourism-Diskussion mitnehmen sollten

Auch vor Corona galt es in bestimmten touristischen Bereichen bzw. Gegenden, Besucherströme durch abgestimmte Maßnahmen zu koordinieren und Gäste gezielt zu lenken. So kann vermieden werden, dass zu viele Touristen auf zu engem Raum zusammenkommen. In Zeiten von gesetzlichen Abstandsregelungen müssen solche Maßnahmen im Tourismus nun flächendeckend umgesetzt werden. Wie dies gezielt von Seiten der DMOs unterstützt werden kann, beschreibt Kristine Honig anhand von 5 Handlungsempfehlungen:

  • Produkte und Infrastruktur anpassen:

Hierbei gilt es zunächst, bestehende Produkte auf die Vereinbarkeit mit gesetzlichen Vorgaben zu prüfen. Können Abstandsregelungen eingehalten werden? Kommt es an bestimmten Stellen/Plätzen zu Besucheransammlungen? Wenn nötig, müssen einzelne Wege, Plätze oder Mobilitätsangebote geschlossen werden oder Besucher über neue Beschilderungen (z.B. One-Way-Wanderwege) gelenkt werden.

  • Alternativen anbieten:

Neben bekannten Lösungsansätzen wie der Umsetzung von virtuellen Angeboten, kann es hier auch darum gehen, Angebote „anders zu denken“. Veranstaltungen können etwa „gestreamt“ werden und/oder über „public viewing“ an mehreren Orten gleichzeitig ablaufen. Auch die Option, eine Veranstaltung mehrfach stattfinden zu lassen, verteilt den Besucherandrang.

  • Gäste zeitlich planen:

Hier stehen wir vor der Herausforderung, dass die Nachfrage nach Reisen und Erlebnissen nach einer „Öffnung“ zunächst stark steigen dürfte - bei einem gleichzeitig eher reduzierten Angebot. Hier gilt es , wenn möglich, Öffnungszeiten auszuweiten und über flexible Preisstrukturen auch ungeliebte Zeiträume zu bedienen. Ein Vorab-Ticketverkauf mit zugewiesenen Zeitfenstern ermöglicht dabei eine Besucherkontrolle.

  • Gäste aktiv lenken:

Hierbei geht es vor allem darum, Gäste vor Ort über aktuelle Möglichkeiten und Angebote zu informieren. Ist der Gast vor Ort schaut er nicht mehr auf die Destinationswebsite. Alternative Informationskanäle (z.B Apps) mit Echtzeit-Information zu Empfehlungen, Tagestipps und aktuellen Informationen sind hier ein Mehrwert.

  • Alle Stakeholder informieren:

Wichtig ist vor allem, dass Anbieter touristischer Leistungen in diesem Prozess mitgenommen werden und sich untereinander austauschen. Sie dienen als Schnittstelle zum Gast und können die Informationen direkt an den Gast tragen. Eine DMO sollte die Anbieter mit entsprechenden Informationen und Informationsmaterial ausstatten.

2. Brauchen wir zukünftig Tagestickets für Destinationen?

Im zweiten Teil der Session wirft Konstantin Andreas Feustel die Frage auf, ob es zukünftig zu einer Kontingentierung der Tagesgäste innerhalb einer Destination kommen könnte. Vor dem Hintergrund der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen bei einem gleichzeitigen „Run auf Destinationen“ von Tagestouristen, könnte dies für die kommenden Wochen und Monate eine durchaus mögliche Lösung zur Steuerung des Gästeaufkommens sein. Auch wenn sich dies für viele Beteiligte (noch) nach einer eher komischen Lösung anhört, sei es allemal besser, als eine gänzliche Sperrung und überhaupt kein Tourismus. Im Idealfall könnten Kontingente an Attraktionen gekoppelt werden und über eine App vergeben/gebucht werden. Der Gast könne so immer sofort einsehen, was er heute, morgen oder in den kommenden Tagen noch „machen“ kann. Natürlich geht Herr Feustel in seinem Vortrag auch auf die Bedenken dieser „Lösung“ ein und stellt klar, dass Fragen zu möglichen Technologien, rechtlichen Anforderungen und auch der Überprüfbarkeit noch völlig ungeklärt sind und regt dazu an, die Diskussion zu diesem Szenario zu beginnen.

Fazit:

Auch wenn der Vortrag von Herrn Feustel nicht als Forderung nach einer Kontingentierung von Zugangstickets zu einer Destination zu verstehen ist, zeigt er doch deutlich auf, was „neues Denken“ in Zeiten von Corona konkret bedeuten kann. Wir alle müssen uns daran gewöhnen, dass Reisen auf unbestimmte Zeit „anders“ sein wird und wir stets flexibel auf aktuelle Situationen reagieren müssen. Als DMO liegt unser Schwerpunkt darauf, alle Akteure auf dieses „Andere“ vorzubereiten und auf dem Weg ins „Neue“ mitzunehmen. In den oben beschriebenen Sessions ist auch deutlich geworden, wie wichtig der Einsatz von Technologien in diesem Prozess ist. Informationen müssen stets flächendeckend zur Verfügung stehen und vor allem aktuell sein. Mit unserem landesweiten Contentnetzwerk, unserem Tourismusnetzwerk Brandenburg und der MeinBrandenburg Software verfügen wir über eine hervorragende Infrastruktur um die aktuelle Situation gemeinsam zu meistern. Kristine Honig hat betont, dass Destinationen, die schon vor der Krise digital gut aufgestellt waren, nun klar im Vorteil sind. Wir in Brandenburg sind also bestens gerüstet für einen Tourismus mit Corona.

Der Einfluss von Corona auf die Reiseintentionen der Sinus-Milieus 

Moderation und Referent*innen: Manfred Tautscher (SINUS Institut), Kristine Honig, Andrea Schneider (Tourismuszukunft – Realizing Progress)

Viele Destinationen nutzen die Sinus-Milieus für die Gestaltung ihres Zielgruppenmarketings. Für diejenigen denen die SINUS Milieus noch fremd sind, zunächst eine kurze Einordnung und Erklärung.

Die Sinus-Milieus sind eine Zielgruppentypologie, die Menschen nach Grundorientierung und sozialer Lage in Gruppen Gleichgesinnter zusammenfasst. Die Überschneidungen (siehe Grafik) zeigen an, dass die Übergänge zwischen den Milieus fließend sind. Hier Grafik einfügen

Die Sinues-Milieus werden demnach nicht nach demographischen Zwillingen (gleiches Alter, gleicher Abschluss und ähnliches Einkommen) gegliedert, sondern sollen ein wirklichkeitsgetreues Bild der soziokulturellen Vielfalt in Gesellschaften veraunschaulichen, in dem sie die Befindlichkeiten und Orientierungen der Menschen, ihre Werte, Lebensziele, Lebensstile und Einstellungen sowie ihren sozialen Hintergrund genau beschreiben. Die Lebenswelten der Menschen sollen somit „von innen heraus“ verstanden werden um Erkenntnisse ziehen zu können wie sie bewegt werden können.

Das Modell wird kontinuierlich an die soziokulturellen Veränderungen der Gesellschaft angepasst. Während der Anteil der traditionellen Milieus seit Jahren zurückgeht, wird ein kontinuierliches Wachstum im modernen Segment beobachtet. Am schnellsten wachsen die beiden Zukunftsmilieus Expeditive und Adaptiv-Pragmatische, deren Umgang mit den aktuellen Herausforderungen zukünftige Trends erkennen lässt.

Die moderne junge Mitte der Adaptiv-Pragmatischen, geprägt durch hohe Leistungsbereischaft und Flexibilität einerseits und das Bedürfnis nach Sicherheit und Verankerung andererseits sowie die junge Elite der Expeditiven, ambitionierte, kreative, unkonventionelle und kosmopolitische Trendsetter, welche immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen sind. Weshalb insbesondere in Hinsicht auf die Veränderungen der Reiseintentionen im Webinar besonderes Augenmerk auf die beiden Milieus gelegt wurde.

Herr Trautscher ging zunächst auf die Egebnisse der kürzlich durchgeführten Online-Umfrage des SINUS-Institus in Österreich, der Schweiz und Deutschland mit jeweils 1.000 Teilnehmer*innen (repräsentativ zumindest für den digitalen Teil der Gesellschaft) ein. Diese führten zu der Erkenntnis, dass die Corona-Krise gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringt die eindeutig auch Auswirkungen auf die Sinus-Milieus haben werden.

Wesentliche Ergebnisse der Befragung:

Wie ernst wird die Bedrohung durch das Corona-Virus genommen?

Als besonders starke Bedrohung nimmt das Milieu der Liberal-Intellektuellen das Corona-Virus wahr. So nehmen 76% dieser Gruppe die Gefahr sehr ernst. "Die aufgeklärte Bildungselite der Gesellschaft erkennt vielschichtige Auswirkungen der Corona-Krise und ahnt, dass sie das Potenzial zu umfassenden sozialen Umwälzungen hat", meint Dr. Silke Borgstedt, Director Research & Consulting am SINUS-Institut.

54% deutlich weniger ernst - aber immer noch mehrheitlich - nimmt das Milieu der Hedonisten die Corona-Gefahr wahr. "Die spaß- und erlebnisorientierte untere Mittelschicht lebt möglichst unbekümmert und spontan. Die Gefahr durch Corona wird zwar erkannt, aber man ist weniger zu Verhaltensänderungen bereit, die den bisherigen Lifestyle einschränken", so Borgstedt.

Wie optimistisch wird in die Zukunft geschaut?

Die Expeditiven (52 %), die sonst als sehr zukunftssouverän gelten, sehen die Zukunft, verglichen mit den anderen oberschichtigen Milieus, als am wenigstens optimistisch. Die Prekären bilden mit 30 % aber ingesamt die pessimistischste Haltung.

Welche Sorgen gibt es?

Die größten Sorgen gelten allgemein betrachtet den wirtschaftlichen Folgen gefolgt von der Gesundheit der Angehörigen bzw. der Freunde und den Auswirkungen auf die Gesellschaft. Weitere Sorgen finden sich hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems, der eigenen Gesundheit, der Demokratie und persönlicher Freiheit als auch der persönlichen finanziellen Lage.

Am stärksten besorgt um die allgemeinen wirtschaftlichen Folgen sind die Performer, welche auch am wirtschaftich orientiertesten sind. Über die persönlich wirtschaftliche Lage sorgt sich die junge Mitte: die Adaptiv –Pragmatischen (40%) gefolgt von den Expeditiven (38%) und der bürgerliche Mitte (37%).

Weniger besorgt zeigen sich hier hingegen die Liberal-Intellektuellen (18%) und Sozialökologischen (28%), die sonst meist schneller in Sorge verfallen.

Auf welche Bereiche wird sich die Corona-Krise positiv oder negativ auswirken?

Auf den Bereich der gesellschaftlichen Veränderungen (Zusammleben im Haushalt, soziale Kontakte und Zusammenhalt in der Gesellschaft, sowie das Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein), sehen vor allem die Adaptiv-Pragmatischen und die Liberal-Intellektuellen optimistische Auswirkungen.

Die Auswirkungen der Krise auf den Bereich des Konsums und des Reiseverhaltens sehen die Expeditiven neben den Prekären gemeinsam mit den Sozial-ökologischen eher weniger optimistisch. Vergleichsweise optimistischer, sind in diesem Zusammenhang hingegen die Adaptiv-Pragmatischen und die Hedonisten gestimmt.

Welche Werte sollten hinsichtlich der Kommunikation berücksichtigt werden?

Durch die Krise werden gewisse Kernwerte, die in der Gesellschaft vorhanden sind, verstärkt. 

Bereiche wie gesellschaftliche Verantwortung werden sich deutlich verstärken. In diesem Zusammenhang stehen auch die Werte Bindung, Zusammenhalt und Pflicht, die insbesondere bei den traditionelleren Millieus (Konservativ-Etablierten) stärkeren Fokus finden.

Da für die Expeditiven der Wert des kosmopolitischen stark unter Druck gerät und diese nach kreativen Lösungen und neuen Wegen in dieser Situaion suchen müssen, sind diese noch offener für Veränderungen und Neuerfindungen als zuvor.

Die Adaptiv-Pragmatischen suchen neue Effizienzen. Diese gewinnt man vor allem durch leichte Erreichbarkeit und Flexibilität.

In der Mitte der Gesellschaft wird das „Regrounding“ zunehmen: Familie, Heimat, Harmonie und Fairness wachsen dort in Zukunft stark in Ihrer Bedeutung.

Kann der Deutschlandtourismus bei einigen Milieus stärker als zuvor proftieren?

Bestimmte Milieus waren bisher in ihrem Reiseverhalten ohnehin sehr aufgeschlossen dafür im eigenen Land zu reisen. Insbesondere die Konservativ-Etablierten, die bereits schon vieles gesehen haben. Für dieses Milieu gilt es weiterhin eine Exklusivität und das Besondere in diesen Zeiten anzubieten.

Vor allem für Nischen-Destinationen bietet sich eine Chance zur Ansprache der Expeditiven, die bisher nicht auf dem Radar dieses Milieus waren, da in der Vergangenheit der Fokus auf Fernreisen lag. Durch die Werte Persönlichkeit, Authentizität und einer klaren Identität fühlt sich dieses Milieu stark angesprochen. Hier sollte man auf Hotspots, (Geheim-)Tipps und Unerwartetes (the unexpected) setzen. Gerade die Neuinterpretation von Traditionen („twist in tradition“) kann durch Corona beschleunigt werden um ein entstandenes Nostalgiebedürfnis zu befriedigen.

Während und nach der Krise sollte aber in der Kommunikation für Angebote während und nach der Krise weiterhin auf die Werte der einzelnen Milieus gesetzt werden anstatt Sorge zu thematisieren.

Ein Bericht von Stefanie Röder, Benedict Kelly und Isabell Kudobe

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