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13.05.2020

Anpassung an den Klimawandel: Wie der Deutschlandtourismus auch diese Krise meistern kann

Reiseregionen, Deutschland, Land Brandenburg
Was wir jetzt schon von Corona lernen können ist, dass diejenigen als heimliche Gewinner aus der Krise hervorgehen werden, die es geschafft haben, sich anzupassen. Im Tourismus sind das Unternehmer, die ihre Geschäftstätigkeit flexibel anpassen konnten und Destinationen, die ihre Strategie an den neuen Bedingungen ausgerichtet haben. Das ist im Tourismus eine große Herausforderung. Aber es ist klar, die Randbedingungen werden sich besonders im Hinblick auf den Klimawandel auch in Zukuft wandeln

„Im Moment haben wir nun wirklich andere Sorgen als den Klimawandel„ entgegnen Unternehmer, die momentan um ihr geschäftliches Überleben bangen, denken Destinationen, die nicht einschätzen können, ob sie diesen Sommer überhaupt Gäste empfangen werden. Und das ist verständlich und nachvollziehbar. Corona hat uns ganz deutlich unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Verletzlichkeit in Krisensituationen vor Augen geführt.

Corona und der Klimawandel haben in einer so stark vernetzten Gesellschaft viel gemeinsam. Sie führen zum Zusammenbruch von Lieferketten, von globalen Versorgungsproblematiken, begünstigen stark schwankende Preise und führen zu ökonomischen Einbrüchen ganzer Branchen. Der große Unterschied ist aber, dass die Klimakrise nicht zeitlich begrenzt sein wird. Einen Impfstoff hierfür wird es nicht geben.

Aus der Krise in die nächste Krise

Neben den aktuellen Herausforderungen dürfen wir nicht vernachlässigen, dass der Klimawandel weiter voran schreitet. Die mittlere Lufttemperatur in Deutschland hat sich von 1881 bis 2018 bereits um 1,5 Grad erhöht. Emittieren wir weiter CO2 wie bisher, bedeutet dies aktuell eine Klimaerwärmung von 4 Grad oder mehr bis zum Jahr 2100. Mit einer Veränderung unseres Verhaltens haben wir die Chance auf unter 2 Grad zu bleiben und dennoch, wir werden schon heute, auch in Deutschland, mit Auswirkungen des Temperaturanstiegs konfrontiert.

Der Tourismus ist mehr oder weniger stark von klimatischen Verhältnissen abhängig und daher sensibel für Veränderungen. Das Klima beeinflusst neben der Länge der Saison, die wetterabhängigen touristischen Aktivitäten (Baden, Wandern, Kanufahren) und die Kosten für Betrieb und Instandhaltung von touristischen Infrastrukturen. Dazu wirken sich noch viele weitere klimabedingte Faktoren positiv oder negativ auf die Urlaubsqualität aus. Das sind zum Beispiel die Wasserqualität und die Wasserstände in Gewässern, das Auftreten von Naturgefahren wir Bränden, die Verbreitung von Pollen und Krankheitserregern sowie die Biologische Vielfalt.

Deshalb ist die Anpassungsfähigkeit der touristischen Betriebe und Tourismusdestinationen an den Klimawandel und ein nachhaltiger Tourismus notwendig, um zukunftsfähig sein zu können.

Wie soll ich mich Anpassen? Hilfe aus der Forschung

Wie sich der Klimawandel auf touristische Destinationen in Deutschland auswirkt und welche Anpassungen auf Destinationsebene notwendig werden, das hat das Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung des Umweltbundesamtes mit Beteiligung der Fresh Thoughts Consulting GmbH seit 2017 in einem Forschungsvorhaben untersucht. Die Ergebnisse sollen vor allem deutsche Tourismusdestinationen, aber auch Städte und Gemeinden helfen, einen an den Klimawandel angepassten Tourismus zu entwickeln.

Ein Handlungsleitfaden für DMOs

Aus den Erkenntnissen dieser Forschung ist ein Handlungsleitfaden entstanden, mit vielen praktischen Tipps und Hinweisen, wie eine Anpassung an den Klimawandel gelingen kann. Er richtet sich speziell an Destinationsmanagementorganisationen und gibt Aufschluss darüber, wie Anpassungsprozesse auf Destinationsebene gelingen können aber auch wie so eine Anpassung finanziert werden kann. Zudem enthält er interessante Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Tourismusdestinationen in Deutschland. Der Leitfaden steht seit wenigen Tagen zum kostenfreien Download auf der Webseite des Umweltbundesamtes bereit!

Von anderen Lernen – Die KLAR- Regionen in Österreich

Tourismusregionen weltweit sind von den Folgen des Klimawandels massiv betroffen und werden es zukünftig noch stärker sein. Auch Österreich kämpft heute schon mit den Folgen wie Temperaturextremen, Starkregen oder Trockenheit, einem vorzeitigen Vegetationsbeginn und dem Rückgang der Gletscher.

Vor diesem Hintergrund wurde vom Klima- und Energiefonds in Kooperation mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) im Herbst 2016 das Förderprogramm Klimawandel-Anpassungsmodellregionen (KLAR!) initiiert. Ziel des Programmes ist es, Regionen und Gemeinden die Möglichkeit zu geben, sich auf den Klimawandel vorzubereiten und mittels Anpassungsmaßnahmen die negativen Folgen des Klimawandels zu minimieren. Aktuell erhalten 39 KLAR!- Modellregionen aus ganz Österreich vom Klima- und Energiefonds Unterstützung in der Anpassung an den Klimawandel. Dabei entwickeln die Regionen ihr maßgeschneidertes Anpassungskonzept mit 10 konkreten Maßnahmen, und setzen dieses in weiterer Folge um. Als Folge entstanden alternative Tourismuskonzepte, bewusstseinsbildende Angebote zur Anpassung wie z.B. Lerpfade oder Themenausstellungen und konkrete Tourismusangebote wie die „kühlen Geheimtipps“ aus Südkärnten, eine Zusammenstellung aus Orten, um der neuen Hitze zu entfliehen.

Die Entwicklung solcher touristischer Alternativen wird auch zukünftig für Brandenburg an Relevanz gewinnen und einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellen. Die Maßnahmen und neuen Angebote der österreichischen Modellregionen können hier als Inspiration dienen.

Wie stark ist meine Region vom Klimawandel betroffen?

Neue Strategien und touristische Angebote entwickeln oder die eigene Geschäftstätigkeit nochmal komplett neu ausrichten, das ist ein immenser Aufwand und das macht man nicht einfach so nebenher. Dann will man schon wissen, ob das wirklich notwendig ist. Wer sich selbst überzeugen will hat bald die Möglichkeit über ein neues Portal des Umweltbundesamtes nachzuvollziehen, wie sich die Klimadaten in deutschen touristischen Region verändert haben und welche Veränderungen im Weiteren zu erwarten sind.

Ab Juni diesen Jahres steht auf der Homepage des Umweltbundesamts ein interaktives Online-tool zur Verfügung, welches wesentliche Klimainformationen zu allen deutschen Reiseregionen bereithält. Über Karten, Diagrammen und factsheets lassen sich hier die klimabedingten Veränderungen prognostiziert bis ins Jahr 2100 nachvollziehen. So kann jeder für seine eigene Reiseregion überprüfen, wie sich die Jahresmitteltemperatur, die jährliche Hitzetage, Niederschlagszahlen und damit auch verbunden die touristischen Nachfragezahlen ändern werden. Sobald dieses Klima-Informationsystem online geht werden wir auch hier den Link dazu bereitstellen.

Aus der Krise gestärkt hervorgehen

Einige Experten behaupten, die derzeitige Coronakrise schärfe unser Bewusstsein für dem Umweltschutz und bringe uns ein Stück weiter in Richtung Klimaschutz. Das sei mal dahingestellt. Was sie uns jedoch auf jeden Fall vor Augen führt ist unsere Verletzlichkeit in Krisensituationen und dass ein frühzeitiges, nachhaltiges agieren unsere ökonomischen wie allgemeinen Überlebenschancen erhöht. Deshalb gilt es aus der Krise zu lernen und sich für weitere Krisen zu wappnen.

Die in diesem Beitrag aufgeführten Informationen stellen einige für die Tourismusbranche relevante Inhalte aus den Webinaren des Bundesumweltamtes zum Thema „Anpassung an den Klimawandel: Die Zukunft im Deutschlandtourismus gestalten“ dar, die am 11. und 12. Mai 2020 stattfanden. Weitere Informationen zur aktuellen Forschung im Bereich Klima und Anpassung finden sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes.

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Yasmin Henrich

Projektmanagerin Cluster Tourismus

TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

0331-298 73-572 Yasmin.Henrich@reiseland-brandenburg.de