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04.03.2020

BMVI-Regionalkonferenz: Auftakt zum “Masterplan für Nebenwasserstraßen”

Deutschland, Land Brandenburg
Wassertourismus
Am 2. März fand in Oranienburg die “Regionalkonferenz zur Zukunft der Nebenwasserstraßen” mit dem Fokus der Freizeitwasserstraßen in Brandenburg-Berlin und Mecklenburg-Vorpommern statt. Seit Jahren schwelt hier eine Diskussion, die gefährliche Ausmaße annahm.

Während es bei der teils über hundert Jahre alten Infrastruktur einen riesigen Investitionsstau gibt und Schleusenzeiten eingeschränkt wurden, oder diese gar in der Hauptsaison ganz schließen mussten, versuchte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2.800 km von den 7.300 km Bundeswassertraßen in die Hände der Länder zu geben. Weil das einzige Kriterium für den Erhalt der Schiffbarkeit die Tonnage der darauf transportierten Güter waren und eben nicht der regionalwirtschaftliche Nutzen durch Freizeit und Tourismus.

Diese Sichtweise ändert sich zum Glück - auch auf Druck vieler Verbände und Initiativen aus den Revieren und deren Beharrlichkeit. Nun sollen die formalen Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehören zum Beispiel Änderungen im Bundeswasserstraßengesetz, wie auch  Personal- und Haushaltsstellen, die im BMVI eingerichtet werden.

Etwas Wasser wurde gestern bei der Konferenz dann allerdings doch in den Wein gegossen: Der Bund kündigte an, zunächst “systemkritische Bauwerke” zu sanieren. 

Ein Masterplan für den Wassertourismus

Die Akteure auf der Konferenz werden sich an dem Versprechen messen lassen müssen, dass sie nicht nur bloße  Bau- und Sanierungsmaßnahmen aneinanderreihen wollen, sondern dass ein Masterplan im ersten Quartal 2021 stehen soll. Dieser soll fünf Handlungsfelder beinhalten:

  1. Verkehr, Infrastruktur, Betrieb: Hier soll nicht nur auf den bisherigen Zustand der Infrastruktur, sondern auch auf Potentiale geschaut werden
  2. Schifffahrt: Hier wird es z.B. um mehr Umweltbewusstsein gehen (alternative Antriebe etc.)
  3. Digitalisierung: Ausstattung und Betrieb der Leitzentralen und Nutzung der Freizeitwasserstraßen für Testfelder
  4. Umwelt: Natur, Umwelt, Klimaschutz und -anpassung
  5. Kommunikation & Kooperation: Partizipation und Dialog mit den Beteiligten 

Auf der Tagung in Oranienburg war viel von neuen Modellen bei der Sanierung und dem Betrieb der Infrastruktur die Rede, so etwa von Partnerschaften der öffentlichen Hand, wie sie jetzt bei der Sanierung der Schleuse Kannenburg praktiziert wird. Ein weiteres Beispiel, das genannt wurde, war die Gründung eines Zweckverbandes um den Finowkanal. Deutlich wurde jedoch, dass sich die Kommunen, die sich fast ausschließlich im ländlichen Raum befinden, sich mit diesen Modellen sehr weit aus dem Fenster lehnen, um die Lebensadern zu erhalten.

Fakt ist: “Aktivitäten am, im und auf dem Wasser” sind für die Gäste in Brandenburg häufig der Reiseanlass und daher für die Tourismus- und Markenentwicklung des Landes essentiell. Seit 1996 existiert aus diesem Grund der “Wassersportentwicklungsplan”. Und es soll demnächst ein(e) Wassertourismus-Koordinator*in geben im Land Brandenburg. Seine oder ihre wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, die Fachressorts in den unterschiedlichen Ministerien des Landes zu koordinieren, aber auch die Schnittstelle zum o.g. Masterplan bzw. zum BMVI zu sein. 

Allerdings wird es allein mit dieser Stelle nicht getan sein. Wichtigstes Kriterium für den Bootsurlaub ist ein zusammenhängendes, zuverlässiges Wasserstraßennetz. Das besteht insbesondere in Brandenburg aus Bundes- und Landeswasserstraßen. Das heißt, ein Denken und Handeln in Netzen, eine gute Abstimmung bei der Sanierung und der zeitlichen Abfolgen wird hier immens wichtig sein.

Der Bund legt mit dem Masterplan nun mehrere Knoten zu und diese Geschwindigkeit werden alle Akteure in Deutschlands Seenland mitgehen müssen. Dann bleibt das größte Binnenrevier Europas durchgängig schiffbar  und eine gut funktionierende Infrastruktur kommt sowohl ansässigen Unternehmen, weiteren Investoren und schließlich unseren Gästen zu Gute.

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Dirk Wetzel

Teamleiter Marken- und Themenmanagement/ Markenmanagement für Prignitz & Ruppiner Seenland

TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

0331-29873-789 dirk.wetzel@reiseland-brandenburg.de