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12.04.2021

Digitale Kontaktnachverfolgung im Land Brandenburg: Stand und Perspektiven

Land Brandenburg
TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH
Aktualisiert am 12.04.2021

In den vergangenen Tagen sind auf uns immer wieder Fragen zugekommen, wie der aktuelle Stand der digitalen Kontaktnachverfolgung in Brandenburg ist.

Lassen Sie uns nochmal einen Schritt zurückgehen. Warum ist eine Kontaktnachverfolgung überhaupt notwendig?

Laut dem Robert-Koch-Institut sollen damit folgende Ziele erreicht werden:

  • Zeitnahe Identifizierung von Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen bestätigten COVID-19-Fall angesteckt haben („Rückwärtsermittlung“) und Verhinderung größerer Übertragungsgeschehen aufgrund einer vom bestätigten Fall hervorgerufenen Übertragungssituation („Vorwärtsermittlung“)
  • Nach Möglichkeit umgehende Quarantänisierung enger Kontaktpersonen bestätigter Fälle, um weitere Infektionen zu verhindern
  • Schnelle Erkennung und Isolierung weiterer COVID-19-Fälle
  • Prioritäre Verhinderung der Ausbreitung in Risikogruppen und bei medizinischem Personal (Reduktion schwerer bzw. tödlich verlaufender Erkrankungen)

(Quelle: Robert-Koch-Institut)

Die zeitnahe Identifizierung von Personen geschieht auch heute noch in den meisten Fällen durch eine persönliche Befragung der infizierten Person durch das zuständige Gesundheitsamt. Dabei sollen die Kontakte und Orte angeben werden, an denen die infizierte Person potentiell andere angesteckt haben könnte. Dass diese Art von Kontakterfassung lückenhaft und unvollständig ist, liegt in der Natur der Sache, auch wenn es hier offenbar große regionale Unterschiede gibt (vgl. https://www.aerzteblatt.de/archiv/215965/Gesundheitsaemter-Unterschiede-bei-der-Kontaktnachverfolgung)

In der jeweils geltenden Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg ist beschrieben, welche Kontakte von wem erfasst werden müssen. Zur Zeit sind das Vorname, Name, Telefonnummer ODER Mailadresse, Datum und Zeitraum der Anwesenheit. In § 1 Absatz (3) heißt es im Original:

(3) Soweit in dieser Verordnung das Erfassen von Personendaten in einem Kontaktnachweis zum Zwecke der Kontaktnachverfolgung vorgesehen ist, sind in dem Kontaktnachweis der Vor- und Familienname, die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse sowie Datum und Zeitraum der Anwesenheit der betreffenden Person (Veranstaltungsteilnehmende, Leistungsempfängerin oder Leistungsempfänger, Besucherin oder Besucher, Gäste) aufzunehmen. Die betreffende Person hat ihre Personendaten vollständig und wahrheitsgemäß anzugeben. Die oder der Verantwortliche hat die Angaben auf Plausibilität zu kontrollieren sowie sicherzustellen, dass eine Kenntnisnahme der erfassten Daten durch Unbefugte ausgeschlossen ist. Sie oder er darf den Kontaktnachweis ausschließlich zum Zwecke der Auskunftserteilung gegenüber dem zuständigen Gesundheitsamt nach infektionsschutzrechtlichen Vorschriften nutzen. Der Kontaktnachweis ist für die Dauer von vier Wochen unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften aufzubewahren oder zu speichern und auf Verlangen an das zuständige Gesundheitsamt herauszugeben. Nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist ist der Kontaktnachweis zu vernichten oder zu löschen. Die verpflichtende Dokumentation zur Kontaktnachverfolgung kann auch in elektronischer Form, zum Beispiel mittels einer speziellen Anwendungssoftware (App) erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass die in Satz 1 genannten Daten unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften erfasst und dem zuständigen Gesundheitsamt unverzüglich zur Verfügung gestellt werden können; die Art und Weise der Datenübermittlung muss für die Bearbeitung durch das zuständige Gesundheitsamt geeignet sein.

Obligatorisch ist das zum Beispiel für:

  • religiöse Veranstaltungen, Hochzeiten und Bestattungen,
  • Veranstaltungen ohne Unterhaltungscharakter unter freiem Himmel mit weniger als 100 zeitgleich Anwesenden
  • Veranstaltungen ohne Unterhaltungscharakter in geschlossenen Räumen mit weniger als 50 zeitgleich Anwesenden
  • Teilweise Einzelhandel
  • Körpernahe Dienstleistungen
  • Übernachtungsangebote für geschäftliche und dienstliche Zwecke
  • Besucherinnen und Besucher von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen
  • Gedenkstätten, Museen, Ausstellungshäusern, Galerien, Planetarien, Archiven, öffentlichen Bibliotheken, Tierparks, Wildgehegen, Zoologischen und Botanischen Gärten

Geschätzt dürfte es sich also um eine erhebliche Anzahl an Unternehmen und Orten handeln. Allein der Einzelhandel umfasst ca. 15.000 Geschäfte in Brandenburg, davon dürften ca. 10.000 Geschäfte für die Kontakterfassung relevant sein (eigene Schätzung, IHK Einzelhandelserfassung 2016 vgl. https://bb.reisen/q3lPc ). Hinzu kommen die anderen Bereiche, insgesamt ca. 15.-20.000 Einrichtungen, ohne private Kontaktstellen.

Es braucht also nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die systematisch Kontaktnachverfolgung eine Mammutaufgabe für die Gesundheitsbehörden darstellt. Vielfach wurde diese durch eine handgeschriebene Erfassung der Kontaktdaten zusätzlich erschwert, die mühsam übertragen und ausgewertet werden musste.

Digitale Anwendungen sollen hier Abhilfe schaffen. Zu Bekanntheit hat es die luca-App gebracht, die fast synonym für verschiedene Arten der digitalen Kontaktverfolgung steht.

Im Folgenden wollen wir Ihnen den aktuellen Stand der wesentlichen drei Arten der digitalen Kontaktnachverfolgung (in/für Brandenburg) erläutern:

1. luca-App

Grundsätzlich werden mit der luca-Anwendung drei Akteure miteinander digital verbunden: (1) die einzelne Person, (2) die von ihr besuchten Orte, an denen sie eingecheckt hat und (3) die Gesundheitsämter, wenn sie angeschlossen sind. Innerhalb dieses Kreislaufs kann es nun zu einem Datenaustausch kommen, sollte sich herausstellen, dass eine Person, die die luca-App nutzt, infiziert wurde.

Am 27.03.2021 hat auch das Land Brandenburg eine Lizenz für das Luca-System erworben. Bis Ostern sollten die Gesundheitsämter der Landkreise Barnim, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz sowie der kreisfreien Städte Brandenburg a.d.H., Cottbus sowie Potsdam angeschlossen sein. Bis Ende des Monats sollen alle weitere Landkreise und kreisfreien Städte folgen.

Ob das eigene Gesundheitsamt angeschlossen ist, kann man auf der offiziellen Seite der Luca-App nachverfolgen: https://www.luca-app.de/mein-luca/ (links unter „Betreiber“ kann man eine Postleitzahl eingeben und auf „Check“ klicken.)

Stand 12.04. 11:15 Uhr wurde mit Ausnahme von Cottbus, Potsdam, Landkreis Barnim und Landkreis Ostprignitz-Ruppin kein Gesundheitsamt als „dabei“ angezeigt. Hier empfiehlt es sich also die lokale Presse sowie die Seiten des Landkreises bzw. der Stadt regelmäßig zu besuchen. Wenn das Gesundheitsamt dabei ist, kann man sich als Betreiber/Ort/Location anmelden und das o.g. Dreiersystem schließen.

In Cottbus, wo das System seit 3 Wochen im Einsatz ist, sind erste Betriebe beteiligt und das Stadtmarketing, aber auch die IHK Cottbus motivieren zur Teilnahme. Hier zum Beispiel mit Youtube-Videos: https://bb.reisen/VnxPc

2. Check-In-Brandenburg

Die Check-In-Brandenburg-App steht bereits seit November 2020 in Brandenburg zur Verfügung. Sie funktioniert anders als die Luca-App, da Nutzer sich nur pro Ort registrieren und kein digitales Kontakttagebuch erstellen. Der Zugang erfolgt ebenfalls über einen QR-Code bei der teilnehmenden Location. Auch hier erfolgt eine Übertragung der Kontaktdaten auf Nachfrage des Gesundheitsamtes. Wesentlicher Unterschied zur Luca-App ist, dass es sich nicht um ein geschlossenes System handelt, sondern lediglich die Kontaktdaten digital erfasst werden, um sie auf Anfrage vom Betreiber im CSV-Format an das Gesundheitsamt zu schicken. Dort können diese Daten dann vom örtlichen Gesundheitsamt in Systeme wie Sormas übertragen und genutzt werden.

Eine praktische Funktion der CheckIn-Brandenburg-App ist die Click & Meet-Funktion, also das Einkaufen mit Termin, die unabhängig von der Kontaktnachverfolgung genutzt werden kann.

Unser Tipp: Prüfen Sie doch einfach, ob in Ihrer Kommune die luca-App bereits im Einsatz ist. Sollte das nicht der Fall sein, nutzen Sie einfach Check-In-Brandenburg. Denn: das Wichtigste ist die lückenlose Kontaktnachverfolgung. Und wenn das nicht mehr analog auf Zetteln passiert, umso besser. Und falls luca bei Ihnen zum Einsatz kommt, können Sie problemlos umschwenken. Die Registrierung ist bei beiden Anwendungen in wenigen Minuten erledigt und Bestandteil der brandenburgischen Tourismusintiative #GmV (Gastfreundschaft mit Verantwortung) https://www.tourismusnetzwerk-brandenburg.de/verantwortung/.

Zur Zeit haben sich für CheckIn-Brandenburg brandenburgweit ca. 150 Unternehmen angemeldet. Weitere Infos gibt’s unter: www.tourismusnetzwerk-brandenburg.de/check-in-brandenburg/

Anwendungen, die CheckIn-Brandenburg ähnlich sind, gibt es einige, zum Beispiel

3. Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts wird gerade weiterentwickelt. Angekündigt ist, dass über sie ebenfalls eine Event-Registrierung möglich sein wird. D.h. auch hier wird man sich zukünftig über einen QR-Code an einer location/Ort anmelden können. Diese Anpassung soll bis Ende April 2021 zur Verfügung stehen. (Vgl. https://t3n.de/news/corona-warn-app-20-check-in-qr-code-1367664/) Allerdings bleibt die Person, die diese Anwendung nutzt, weiterhin anonym und es wird auch keine Verbindung mit den Gesundheitsbehörden hergestellt. Die Corona-Warn-App ist zurzeit also außerhalb der Kontaktnachverfolgung, wie sie die Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg vorgibt, zu betrachten und stellt eine zusätzliche Kontaktnachverfolgung auf persönlicher Ebene dar.

Ein Zwischenfazit

Fast jeden Tag gibt es Neuigkeiten aus der digitalen Welt der Kontaktnachverfolgung. Der nächste Schritt ist die Inklusion von Testergebnissen oder Impfungen. Dafür gibt es zahlreiche (?) Eigenentwicklungen, wie z.B. der Firma Shapefruit, die auch die o.g. CheckIn-Brandenburg Lösung zur Verfügung stellen (vgl. https://www.shapefruit.de/gaeste-melde-app-corona/) oder Kooperationen von Firmen wie luca (culture4life GmbH) und Ticket i/o (Vgl. https://www.presseportal.de/pm/144101/4873449 ).

Fest steht, die Kontaktnachverfolgung wird uns solange begleiten, wie uns auch der Virus noch im Alltag begleitet. Deshalb besser digital und nicht auf Zetteln. Wenn sich Neuigkeiten ergeben, halten wir Sie wie immer gerne auf dem Laufenden.

Autor: Dr. Andreas Zimmer, TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

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Andreas Zimmer

Leiter Clustermanagement Tourismus

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