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30.03.2022

Dwif-Corona-Kompass: Deutschland Jahr 2021 (März-Update)

Deutschland
Rund 59 Mrd. Euro Verlust durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Destinationen in Deutschland. Bundesweit wurden 37,4 Prozent gewerbliche Übernachtungen weniger gegenüber 2019 verzeichnet. Die Tagesreisen lagen rund 17 Prozent im Vergleich zu einem Normaljahr zurück.

Der dwif-Corona-Kompass unterstützt Destinationen sowie Betriebe des Gastgewerbes und der Freizeitwirtschaft seit Beginn der Pandemie mit nutzenstiftenden Fakten zu den monetären und strukturellen Auswirkungen der Krise. Im März-Update des dwif-Corona-Kompass zu den aktuellen Entwicklungen und Perspektiven des Deutschland-Tourismus finden Sie objektive, datenbasierte Zahlen und Fakten zu diesen Fragestellungen:

  • Welche Trends lassen sich aus den Daten für 2021 ableiten?
  • Welche Länder und Regionen waren im Übernachtungstourismus wie stark betroffen?
  • Haben Tagestourismus und Freizeitwirtschaft das Tal durchschritten?
  • Wie steht es um den touristischen Arbeitsmarkt?
  • Wie stark waren die Umsatzausfälle im Übernachtungs- bzw. Tagestourismus?
  • Gab es Unterschiede im Vergleich zum ersten Pandemiejahr und wenn ja welche?

Auswahl an Kernergebnissen:

Hinsichtlich der Umsatzausfälle war in 2021 der Übernachtungstourismus (31,7 Mrd. Euro) etwas stärker betroffen als der Tagestourismus (27,2 Mrd. Euro). Dabei kam das 2. Halbjahr 2021 mit 9,0 Mrd. Euro weniger Umsatz immerhin wieder in die Nähe eines Normaljahres. Autarke Unterkunftsformen wie Camping oder Ferienhäuser konnten im 2. Halbjahr 2021 sogar Umsatzsteigerungen gegenüber dem 2. Halbjahr 2019 verzeichnen.

Die Entwicklungen zeigen sich Betriebs- und Destinationsspezifisch sehr unterschiedlich. Auch spielten die Lockerungsphasen und Eröffnungsszenarien eine entscheidende Rolle, mit denen sich die Rahmenbedingungen für den Tourismus ab dem 2. Halbjahr 2021 langsam verbesserten.

Innerdeutsche Aktiv-Urlaubsziele an Küsten und Seen waren gut nachgefragt. Regional betrachtet waren die Übernachtungsrückgänge im Vergleich 2021 zu 2019 an der Ostsee Schleswig-Holstein, in der Holsteinischen Schweiz, an der schleswig-holsteinische Nordseeküste sowie in der Prignitz und im Lausitzer Seenland am geringsten. Laut dwif-Analyse der gewerblichen Übernachtungsstatistik verbuchten insbesondere in den Sommerferienmonaten Juli bis August 2021 bundesweit fast 50 Destinationen Übernachtungszuwächse gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Abhängig von den Angebots- und Gästestrukturen je Region waren lokal bei den Übernachtungen bereits wieder Zuwächse durch einen ausgebuchten Ferienwohnungsmarkt und das starke Camping-Segment zu beobachten. Destinationen, die von hohen Anteilen in den Geschäftsreisesegmenten und/oder im Incoming geprägt sind, verzeichneten die größten Einbußen gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie.

Der Incoming-Markt entwickelte sich weiter verhalten und insbesondere der Übernachtungsrückgang aus Interkontinentalmärkten lag hoch: zwischen -67 Prozent und -96 Prozent. Reisen aus Nachbarstaaten wie Polen, Österreich, Tschechische Republik oder Luxemburg zogen langsam wieder an.

Das milliardenschwere Standbein Tagestourismus im Deutschlandtourismus zeigte ab Frühsommer 2021 analog zu 2020 eine schnelle Regenerationsgeschwindigkeit und eine zunehmende Normalisierung der Aktivitäten. So wurde im Sommer 2021 in einigen Kalenderwochen das Ausgangsniveau von 2019 sogar übertroffen. Für 2021 als Gesamtjahr lagen weiterhin „naturnahe Aktivitäten“ im Trend; allerdings verzeichneten tagestouristische Anlässe wie Shopping und Veranstaltungsbesuche immer noch Rückgänge. Erste Prognosen zum Ausflugsverhalten 2022 sind auf der dwif-Website zu finden.

Laut dwif-Analyse des Gastgewerbes lässt die aktuelle Datenlage keine Rückschlüsse auf ein „massives Unternehmenssterben“ im bundesdeutschen Gastgewerbe zu, bestätigt aber insgesamt eine geringere Dynamik, denn die Anzahl der Insolvenzen sowie Gewerbeabmeldungen/-anmeldungen sind rückläufig. Weiterhin alarmierend und eine der größten Herausforderungen für die Betriebe ist und bleibt der Personalmangel und auch steigende Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise werden bei Betrieben weitere Anpassungen erforderlich machen.

Dwif-Trend-Ableitungen:

  • Höhere Reiseausgaben, längere Aufenthalte, Mietunterkünfte mit wenig Kontaktpunkten, hohe Attraktivität von Inlandsreisen
  • Reisende sind selbstbewusster und erfahrener im Umgang mit Corona
  • Das Bedürfnis nach Mobilität, Erholung und kulturellen Erlebnissen ist groß und damit kehrt auch der Wunsch nach z.B. Städtereisen zurück
  • Die Attraktivität/Begehrlichkeit einer Destination ist wieder entscheidender bei der Destinationsentscheidung als Corona-bedingte Regularien
  • Buchungsverhalten mit stärkerer Kurzfristigkeit und Wunsch nach flexiblen Stornobedingungen & Polarisierung in Kurzfristbucher und Langzeitplaner
  • Klassische Verhaltensmuster wie in Zeit vor der Corona-Pandemie (Reiseziele, Motive etc.) kehren zurück
  • Leichte Nachfragesteigerung bei Outdoor-Aktivitäten
  • Zuspitzung des Arbeitskräftemangels im Tourismus, zunehmende Finanzierungfragen und ein drohender Qualitäts- und Investitionsstau
  • Herausforderung ist zudem das Aufeinandertreffen der Auswirkungen der Corona-Pandemie, des Krieges in der Ukraine und der starken Preis- und damit Kostensteigerungen

> Zum Video-Mitschnitt am 29.03.22 HIER

> Zum Download des Dwif-Corona-Kompass als pdf HIER

> Zur dwif-Website „Corona-Kompass“ mit weiteren Informationen HIER

Die im dwif-Corona-Kompass dargestellten, wichtige Schlüsselkennziffern mit kommentierten Infografiken können Destinationen, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft mit der jeweiligen Situation vor Ort vergleichen.

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Madlen Wetzel

Referentin Marktforschung | SQD-Prüfstelle Brandenburg

TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

0331-29873-381 Madlen.Wetzel@reiseland-brandenburg.de

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