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18.08.2020

MeinBrandenburg: Wie steht es um das landesweite Projekt der digitalen Gästeinformation?

Land Brandenburg
Nachgefragt beim Projekt-Team in der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH
MeinBrandenburg vorgestellt auf dem Brandenburgischen Tourismustag 2019 von Julia Egloff
Team-Mitglieder (v.l.n.r.): Julia Thoms, Benedict Kelly, Julia Egloff

Das Thema Gästeinformation 24/7 beschäftigt uns schon sehr lange. 2017 hat sich daraus ein landesweites Projekt entwickelt. Getreu dem Sprichwort „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen“ geht es darum, Informationen für Gäste dort bereit zu halten, wo der Gast sich aufhält. Das Software-Projekt MeinBrandenburg wurde aus der Taufe gehoben. Wir fragen beim Projekt-Team nach, wie sie die bisherige Entwicklung einschätzen.

Kurz zur Erinnerung: Was kann die Software?

MeinBrandenburg spielt georeferenziert aus, welche aktuellen Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten es in der Umgebung gibt. Die Informationen stammen aus den zentralen touristischen Datenbanken in Brandenburg. Die Software ist als kostenfreie Lizenz für alle touristischen Anbieter im Land Brandenburg verfügbar - und kann auf der Website des Anbieters, auf dem Smartphone des Gastes oder über eine Stele oder einen Monitor vor Ort genutzt werden.

Der Einsatz der Software erfolgt in allen Regionen Brandenburgs. Die Lizenzvergabe, Einrichtung und Schulung wird durch das Clustermanagement Tourismus koordiniert. Die Entwicklung und Programmierung erfolgt durch die hubermedia GmbH, die 2018 den Zuschlag dazu bekam.

Wer gehört alles zum Team?

Das Kernteam in der TMB setzt sich derzeit zusammen aus:

  • Julia Thoms: Zuständig für Entwicklung und Projektkoordination
  • Julia Egloff: Zuständig für Lizenznehmer im Süden Brandenburgs
  • Benedict Kelly: Zuständig für Lizenznehmer im Norden Brandenburgs
  • Marcel Tischer: Zuständig für Einbindung der touristischen Datenbanken

Wir haben nachgefragt:

Wie viele Lizenznehmer gibt es derzeit?

Julia Egloff: Aktuell haben wir 116 Lizenznehmer, wobei gerade täglich neue Verträge herein flattern. (lacht) Wie viele vielleicht schon mitbekommen haben, werden im Seenland Oder-Spree derzeit 125 digitale Touchpoints im Rahmen des deutschlandweit einmaligen LEADER Kooperationsprojektes der LAG Oderland mit der LAG Märkische Seen installiert. Auf den Stelen wird die Software ausgespielt – entweder in der Version des Seenland Oder-Spree, die wie jede Region in Brandenburg ein eigenes Portal haben. Oder aber die Standorte haben sich für eine eigene Version entschieden, was bei den meisten der Fall ist. Dann gibt es das Komplettprogramm – von Lizenzvertrag, über Einrichtung bis hin zur Schulung.

Wie bewerbt ihr die Software?

Benedict Kelly: Das hat sich natürlich geändert. Vor Corona waren wir viel vor Ort, haben auf regionalen Tourismustagen, Stammtischen oder Sitzungen die Software und ihre Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Inzwischen bieten wir Online Formate an – regelmäßig stellen wir nun MeinBrandenburg und MiniBrandenburg vor. Die Termine stehen im Tourismusnetzwerk, Interessierte können sich anmelden. Ansonsten arbeiten wir eng mit den Regionen zusammen. Jede hat da für sich einen Weg gewählt, bei dem wir unterstützen. Entweder in Form von Werbemitteln, wie Postkarten, Flyer, Faktenblättern – alles auch im Tourismusnetzwerk zu finden – oder bei Terminen – am Telefon, per Videokonferenz oder eben doch vor Ort, wenn es die Situation zulässt. Außergewöhnliche Zeiten erfordern eben außergewöhnliche Maßnahmen.

Wie wird MeinBrandenburg genutzt?

Julia Egloff: Wir beobachten, dass insbesondere Tourist-Informationen Interesse zeigen. Hier wird MeinBrandenburg meist auf Stelen oder Monitoren ausgespielt – und unterstützt vor allem bei der individuellen Beratung des Gastes. Übernachtungsanbieter greifen eher auf die WLAN-Version zurück und weisen mit Aufstellern auf den Service hin, den der Gast dann mit seinem eigenen Smartphone nutzen kann. Wer wissen möchte, wer so alles dabei ist, schaut im Tourismusnetzwerk Brandenburg nach. Wir haben angefangen, auf einer Karte einzutragen, welche Lizenznehmer wo und wie MeinBrandenburg einsetzen. Die Karte wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert.

Seid ihr zufrieden mit der Resonanz auf MeinBrandenburg von Seiten der touristischen Akteure?

Benedict Kelly: Ich schätze die Software ja persönlich sehr – und ehrlich, manchmal denke ich, warum rennt man uns nicht die Bude ein. (lacht verschmitzt) Nein, im Ernst. Es war am Anfang schon auch zäh. Das ist mehr als verständlich, denn man muss ein paar Zusammenhänge vermitteln. Fragen nach Kosten oder Pflegeaufwand sind ja berechtigt. In Brandenburg haben wir das Glück, die touristischen Datenbanken bzw. das Contentnetzwerk zu haben, auf dem die Software sich aufbaut. Inzwischen melden sich zunehmend Interessierte bei uns – und darüber freuen wir uns sehr. Zusätzlich möchten wir noch mehr den Austausch zwischen den Lizenznehmern befördern, damit die Möglichkeiten der Software noch besser ausgenutzt werden. Dazu haben wir beispielsweise eine Lizenznehmer-Gruppe im Tourismusnetzwerk angelegt, in der wir über aktuelle Entwicklungen der Software und neue Updates informieren. Zudem gibt es regelmäßige Austausch-Termine, wir nennen es den „MeinBrandenburg Schnack“, in dem sich Lizenznehmer über Einsatz, Vorteile, Probleme und Fragen austauschen können. Da gab es schon einige „Ahas“ und „Achsos“.

Was ist eurer Meinung nach der „größte Erfolg“ der Software MeinBrandenburg?

Marcel Tischer: Das kann ich allgemein gar nicht beantworten – mit Blick aufs Contentnetzwerk Brandenburg aber schon. Da ist ein klarer Push in der Nutzung und Pflege der Datenbanken zu erkennen. MeinBrandenburg wirkt wie ein Türöffner in das trockene Themengebiet des Datenmanagements. Auf den großen Displays wird einfach unübersehbar klar, wofür dieser ganze Kraftaufwand der Datenpflege gut ist. Warum gute Bilder gebraucht werden oder gute Texte. Es bestärkte uns selbst, die Qualitätsoffensive im letzten Jahr zu starten, bei der wir in Absprache mit den Regionen angefangen haben, Dateneinträge ohne Bilder und keinen oder mangelhaften Texten zu überarbeiten. Außerdem steht im Moment die Übersetzung der Daten ins Englische an, u.a. um die Software künftig auch mehrsprachig anbieten zu können. Am Ende ist es einfach klasse zu sehen, wie viele Partner - inzwischen über 100 - die Daten aus den zentralen Datenbanken nutzen, nicht nur über die Software, sondern auch ganz individuell auf der eigenen Website über Iframe oder XML eingebunden. Insgesamt ist da gerade viel Musik im Contentnetzwerk Brandenburg

Wie geht’s weiter?

Julia Thoms: Wir sind im Frühjahr 2018 gestartet – und hatten bereits im Herbst 2018 eine funktionstüchtige Version von MeinBrandenburg, mit der wir in den landesweiten Roll-out starten konnten. Seit dem entwickeln wir stetig an der Leistung und Nutzerfreundlichkeit der Software. Und realisieren klasse „Nebenprojekte“ wie das Open-Data-Projekt MiniBrandenburg oder die Ausspielung von MeinBrandenburg an den kostenfreien öffentlichen Brandenburg WLAN Hotspots. Auf diese Weise potenzieren wir noch einmal den Mehrwert, den die touristischen Datenbanken mitbringen, in dem wir den Dateneinträgen weitere Kanäle zum Ausspielen und damit eine noch höhere Reichweite bieten.

Der Schwerpunkt in den kommenden Wochen liegt auf der Optimierung von Filter, Karte und Suchfunktion. Zusätzlich werden wir zu der Web-App eine sogenannte Native App entwickeln, also eine, die nicht über den Browser, sondern über die App-Stores aufs Smartphone gelangt. Die MeinBrandenburg App wird die bisherige Brandenburg App dann ersetzen – und wir setzen gerade alles dran, dass es noch in diesem Jahr soweit ist.

Und wie lautet das abschließende Fazit zur Entwicklung zum Projekt?

Julia Thoms: „Gar nicht mal so übel,“ wie man in Brandenburg sagen würde. Nein, wir können wirklich zufrieden sein, auch wenn nicht immer alles wie am Schnürchen läuft. Gerade nach einem Update. (lacht) Aber mal im Ernst: Wo ist das schon so? Dieses Projekt umfasst einfach so viele wichtige Bereiche: von der Herausforderung einer digitalen Gästeführung in einem Flächenland bis hin zu großen Aufgaben wie einer landesweiten, strukturierten Datenerfassung, der Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Plattformökonomie (klar beschäftigen wir uns mit der Entwicklung und dem Stellenwert von Google & Co.!), aber auch der Besucherstrommessung und -lenkung. Hinter uns liegen knapp 3 intensive Jahre. Wir haben viel von und mit den Reiseregionen Brandenburgs gelernt, selbst wunderschöne Orte und Angebote entdeckt, haben uns gefreut, geärgert – und uns immer wieder aufs Neue in unser Land verliebt. Wir ruhen uns nicht aus und geben bis Ende des Jahres noch einmal richtig Vollgas.

Wer jetzt Interesse hat, mehr über das Projekt zu erfahren - oder selbst die Software bei sich vor Ort nutzen möchte, findet hier alle Informationen und Ansprechpartner.

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